Live hören
Jetzt läuft: The grand hotel von San Glaser

"Compas und Zouk – Die kreolische Musik in der Karibik"

Guadeloupe - Karibik

"Compas und Zouk – Die kreolische Musik in der Karibik"

Von Peter Brand

Wenn man an karibische Rhythmen denkt, fallen einem wahrscheinlich Reggae, Salsa und Calypso ein – Musikformen, in denen englisch oder spanisch gesungen wird. Die Musik des frankophonen Kulturkreises ist jedoch bei uns weniger bekannt. Ihre populären Rhythmen sind "Compas" und "Zouk", die aus dem Erbe europäischer Kolonisationen entstanden und sich in ihrem Groove leicht unterscheiden.

Im Kontakt der europäischen Kolonisatoren mit afrikanischen Sklaven bildeten sich ganz unterschiedliche Kreolsprachen. So entstand in Haiti ein Kreol, das dem auf Martinique und Guadeloupe sehr ähnelt. Diese Regionen sind kulturell eng miteinander verwandt, obwohl sie eine ganz unterschiedliche Geschichte haben. Bereits 1804 konnte sich das damals sehr reiche Haiti in der ersten, erfolgreichen Sklavenrevolution von der französischen Kolonialmacht befreien, während Martinique und Guadeloupe heute karibische Außenposten der Europäischen Union sind.

Nach der elitären Tanz-Tradition des französischen "Contredanse" entwickelte sich in Haiti Mitte der 50er Jahre mit dem "Compas-Direct" ein eigener, neuer Musikstil, der auch auf Martinique und Guadeloupe mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Doch diese großen haitianischen Orchester wurden Ende der 60er Jahre von jungen, kleinen Formationen mit elektrischen Instrumenten abgelöst. Das vollzog sich auch auf Martinique und Guadeloupe und begann die bis dahin populäre Tanzform der "Beguine" zu verdrängen.

Eine ganz neue Mischform von anglophoner und frankophoner Musik entstand in den 70er Jahren auf der kleinen, zwischen Guadeloupe und Martinique gelegenen, englischsprachigen Insel Dominica: der "Cadence-Lypso". Er soll bei der Entstehung der "Zouk"- Musik  geholfen haben. Zu dieser auf Guadeloupe und Martinique beliebten Party- und Disco-Musik kam in den 90er Jahren noch die langsame Form des "Zouklove" hinzu.

Gespielte Titel

  • Michel Martelly - Y'ap Danse (Michel Martelly)
  • Priva Riga - Olé Digital (Freddy de Majunga)
  • Dixie Band - Doudou An Moin (U. Bouzil)                                                            
  • Karata - Bouwé Yo (A/C D. Gengoul)                                                      
  • Diapason - Compas Macaya” (R. Isauty)                                                                  
  • Michel Linérol - Move Moment“ (Michel Linerol)   
  • Exil One / Gordon Henderson - Rosita” (Gordon Henderson)                                 
  • Michel Martelly - I Don't Care (Michel Martelly)   

Literatur

  • Gage Averill: A Day for the Hunter, A Day for the Prey – Popular Music and Power in Haiti (Chicago Studies in Ethnomusicology) The University of Chicago Press, 1997
  • Jocelyne Guibault: Zouk – World Music in the West Indies (Chicago Studies in Ethnomusicology) The University of Chicago Press, 1993