"Stellt die Gitarren in die Ecke" - Das Burg-Waldeck-Festival 1968

Aufnahmedatum: 30.11.1999

"Stellt die Gitarren in die Ecke" - Das Burg-Waldeck-Festival 1968

Von Torsten Eßer

Seit Pfingsten 1964 fand im Hunsrück auf dem Gelände der Burg Waldeck ein Liederfestival statt. 1968 ereilte das Festival, was US-Liedermacher Phil Ochs so beschrieb: "Die Revolution holte die Revolution der Liedermacher ein".

Seit Pfingsten 1964 fand im Hunsrück auf dem Gelände der Burg Waldeck ein Liederfestival statt. Es erlebte fünf Wiederholungen und gilt im Rückblick als Stätte der Wiedergeburt des deutschsprachigen Liedes. Diese ersten Open-Air-Festivals auf deutschem Boden bescherten den Liedermachern einen kurzen Moment erheblicher Breitenwirkung und setzten ein Zeichen gegen die im deutschen Schlager oft gepriesenen "roten Lippen und roten Rosen".

Protest gegen Protestsongs

Im Mittelpunkt des Festivals vom 12.-17.Juni 1968 standen eigentlich amerikanische Liedermacher: Phil Ochs, Odetta und Guy Caravan waren extra aus den USA eingeflogen worden. Aber im Juni 1968, nach dem erst rund zwei Monate zurückliegenden Attentat auf Rudi Dutschke, änderte sich die Stimmung auch auf der Waldeck. Die Konzerte von Sängern wie Reinhard Mey oder Hanns-Dieter Hüsch wurden von einer lauten Minderheit innerhalb der rund 4.000 Besucher niedergeschrien und in Diskussionen verwandelt.

Die Aktivisten des SDS und anderer politischer Organisationen waren der Meinung, die Liedermacher müssten sich stärker am politischen Kampf der APO beteiligen.

Gespielte Titel

  • Dieter Süverkrüp – Wünsche des Publikums an den Sänger
  • Phil Ochs – Cross my heart
  • Odetta – Sarah Jane
  • Franz Josef Degenhardt – Die alten Lieder   
  • Peter Rohland – Die Ballade von den schönen Stadt Morah
  • Walter Hedemann – Steter Trost
  • Lin Jaldati – Frischauf, mein Volk
  • Julos Beaucarne – Le sort d‘ici-bas
  • Schnuckenack Reinhardt Quintett - Nuages
  • Walter Moßmann - Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
  • Hanns Dieter Hüsch – Da preisen sie den Mai
  • Reinhard Mey - Und für mein Mädchen
  • Franz Josef Degenhardt – Das Argument der Straße
  • Colin Wilkie – I have a dream
  • Insterburg & Co. – Die Schiffbrüchigen
  • Insterburg & Co. – Herr Ober, zwei Mocca

Bücher/ CDs

  • Michael Kleff. "Die Burg Waldeck Festivals 1964-1969", 10-CD-Edition mit Begleitbuch. Bear Family Records, Hambergen 2008                                                                                           
  • Holger Böning. Der Traum von einer Sache. Aufstieg und Fall der Utopien im politischen Lied der Bundesrepublik und der DDR. edition lumière, Bremen 2005.
  • Hotte Schneider. Die Waldeck. Lieder, Fahrten, Abenteuer. Die Geschichte der Burg Waldeck von 1911 bis heute. Potsdam, Verlag für Berlin-Brandenburg 2005.
  • Stefan Krolle. Bündische Umtriebe: Geschichte des Nerother Wandervogels vor und unter dem NS-Staat; ein Jugendbund zwischen Konformität und Widerstand. 2. Auflage. Lit, Münster 1986.