50 Jahre Musikverlag Trikont – die schöne Seite der Globalisierung

50 Jahre Trikont in München

50 Jahre Musikverlag Trikont – die schöne Seite der Globalisierung

Von Sebastian von Haugwitz

Seit 50 Jahren bringt das Münchener Label Trikont Politik und Pop zusammen. Eine größere musikalische Bandbreite ist bis heute nur schwerlich zu finden.

Ursprünglich hatte Trikont als Buchverlag im Umfeld des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes in Münster angefangen. Namenspate war die trikontinentale Konferenz 1966 in Havanna, auf der afrikanische, asiatische und südamerikanische Staaten die Folgen ihrer Kolonisierung thematisierten. Die ersten Veröffentlichungen waren die Mao-Bibel und Che Guevaras Bolivianisches Tagebuch. Die inhaltliche Ausrichtung war klar, nur die Art des Mediums änderte sich bald, um eine möglichst große Öffentlichkeit erreichen zu können. "[Es wurde] immer dringender Kommunikationswege zu haben, die im schriftlichen oder theoretischen einfach nicht ausreichten" erinnert sich Trikont-Chef Achim Bergmann.

Die Lieder der Arbeiter- und Studentenbewegungen in den europäischen Nachbarländern und der wachsende Einfluss der Berliner Band Ton Steine Scherben zeigte den neuen Weg: "Musik ist einfach was, was ins Herz, ins Hirn und in die Beine geht", sagt Achim Bergmann.

1972 erschien die erste Schallplatte bei Trikont, 1980 folgte die Trennung zwischen Buch- und Plattenverlag. Seitdem präsentiert das unabhängige Musiklabel sorgfältig ausgesuchte Künstler und veröffentlicht diverse Themenkompilationen inklusive Begleittext und gut recherchierten Informationen zu den einzelnen Stücken. Wer beispielsweise wissen möchte, wie und was türkische Gastarbeiter singen, wie unterschiedlich in verschiedenen Kulturen Toten- und Trauermusik klingt oder wer auf Folklore aus Vietnam, Mexiko oder Österreich neugierig ist, der ist bei Trikont bestens aufgehoben.

Zum Jahresende bringt der Musikbonus ein Geburtstagsständchen mit Songs aus aller Herren Länder und Geschichten von "Frau und Herrn Trikont" Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann.

Gespielte Titel

  • The Coasters – Three Cool Cats
  • The Staple Singers – Brand New Day
  • Ton Steine Scherben – Wenn die Nacht am tiefsten
  • Miriam & Mbongi Makeba – Do you remember Malcolm
  • Kinderzimmer Productions – Sie kriegen uns nie
  • Kofelgschroa – Wäsche
  • Schröder Roadshow – Oh Mama (laß mich rein)
  • Lydia Daher – Ich will die Sonne
  • Rosa Eskenazi – Ime Prezakias
  • Martti Innanen – Elsa, Kohtalon Lapsi
  • Dicke Lippe – Bruttosozialprodukt
  • Hans Söllner – Am Freitag gibt's Fisch

Literatur

Meueler, Christof; Dobler, Franz
Die Trikont-Story. Musik, Krawall & andere schöne Künste
Heyne Hardcore, München 2017
ISBN: 978-3-453-27135-7

Alben

Samplerreihe "Our own voices – Expose yourself to Trikont" Vol. 1 - 6

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