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Das Leben ist schützenswert - auch gegen den Willen des Lebenden?

Illustration - Sterbehilfe

Das Leben ist schützenswert - auch gegen den Willen des Lebenden?

Braucht es Sterbehilfe, um einen Notausgang für den Fall zu haben, dass das Leiden unerträglich wird? Oder ist das der Weg in eine vollkommen falsche Richtung? Das Bundesverfassungsgericht befasst sich mit dem Sterbehilfeverbot in Deutschland.

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am Dienstag und Mittwoch (16./ 17.04.2019) darüber, ob das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe, das seit 2015 in Deutschland gilt, gegen das Grundgesetz verstößt.

"Sterbehilfe ist wichtig, weil sie dem Wunsch von unheilbar Kranken entspricht, einen Notausgang für den Fall zu haben, dass das Leiden unerträglich wird", sagt Roger Kusch im WDR 5 Morgenecho. Er ist Vorsitzender des Vereins "Sterbehilfe Deutschland", der sich 2009 gründete, und einer der Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht. "Das Leben ist bis zum Schluss schützenswert, aber nicht gegen den Willen des Lebenden", betont Kusch. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, dass sein Verein mit der Klage sein eigenes Geschäftsmodell schützt.

Interview mit Roger Kusch: "Sterbehilfe ist Notausgang aus unerträglichem Leiden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.04.2019 05:13 Min. Verfügbar bis 14.04.2020 WDR 5

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"Sehr gute Schmerztherapie in Deutschland"

Zu den Klägern in Karlsruhe gehören auch schwer kranke Menschen und Ärzte. Palliativmedizinern können durch den Paragrafen 217, der das Sterbehilfeverbot regelt, strafrechtliche Ermittlungen drohen, wenn sie schwerkranken Patienten hohe Dosen von Medikamenten verschreiben, die Schmerzen lindern, bei Missbrauch oder Fehldosierung aber zum Tod führen können.  

Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, sieht das anders. Das Gesetz schränke nicht die ordentliche Behandlung von Patienten ein: "Wir haben eine sehr gute Schmerztherapie in Deutschland", so Bolze. Er hat die Erfahrung gemacht, dass hinter dem Wunsch nach einer vorzeitigen Beendigung des Lebens immer Gründe stehen: die Angst vor Schmerzen, dem Alleinsein, davor anderen zur Last zu fallen. "Wenn wir Begleitung, Schmerztherapie und Unterstützung gerade auch für die Angehörigen anbieten, kommt dieser Wunsch nahezu nicht mehr vor."

Interview mit Benno Bolze: "Sterbehilfe ist Schritt in die vollkommen falsche Richtung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.04.2019 04:47 Min. Verfügbar bis 14.04.2020 WDR 5

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Kritiker sehen Rechtsunsicherheit bei Ärzten

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wollte damals erreichen, dass Sterbehilfevereine verboten werden, "dass die Selbsttötungshilfe nicht zur öffentlich beworbenen Behandlungsvariante wird." Im November 2015 hat der Bundestag aus vier fraktionsübergreifenden Gesetzentwürfen in Mehrheit für den vierten gestimmt, der die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe verbietet. "Viel zu unkonkret, der Paragraf 217 verschärfe die Rechtsunsicherheit für Ärzte", sagen Kritiker.  

Es ist ein emotional aufgeladenes Thema im Spannungsfeld zwischen dem Schutz des Lebens und dem Selbstbestimmungsrecht, mit dem sich die Richter in Karlsruhe befassen müssen. Ein Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet.

Video aus "Menschen hautnah" zum Thema

Über mein Ende will ich selbst entscheiden Menschen hautnah 21.03.2019 43:57 Min. UT Verfügbar bis 21.03.2020 WDR Von Erika Fehse

Stand: 16.04.2019, 12:48