25 Jahre Brandanschlag Solingen: Die Lücke bleibt

Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr vor dem abgebrannten Haus der Familie Genc in Solingen am 29.05.1983

25 Jahre Brandanschlag Solingen: Die Lücke bleibt

Am frühen Morgen des 29. Mai 1993 steht das Haus der türkischen Familie Genc in hellen Flammen. Mitten in Solingen sterben fünf Menschen. Der Anschlag wird zum Symbol für Ausländerhass. Die Täter: vier junge Deutsche.

Als die Solinger Feuerwehr am 29. Mai 1993 zur "Unteren Wernerstrasse" gerufen wird, steht der Dachstuhl des alten Fachwerkhauses schon in hellen Flammen. Für fünf Frauen und Kinder der türkischen Familie Genc kommt die Hilfe zu spät. Sie sterben in dem Feuer, das sich als Brandanschlag erweist. In einem langen Indizien-Prozess werden später vier junge Deutsche zu Haftstrafen verurteilt. Der Brandanschlag von Solingen reiht sich Anfang der 90er Jahre auf unheilvolle Weise ein in die Anschläge von Mölln, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen. Solingen wird – wie die anderen Anschlagsorte – Symbol für Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass.

Die Serie im Morgenecho vom 28. Mai bis zum 1. Juni - immer um 7:25 Uhr.

Teil 1: Die Chronik des Geschehens
Von Michael Treis

Laut Polizeibericht ist es 1.38 Uhr als die Feuerwehr Solingen zum brennenden Haus der Familie Genc gerufen wird. Viel kann sie nicht mehr tun. Fünf Frauen und Kinder sterben in den Flammen. Schnell wird klar: Es war ein Anschlag. Damit wird Solingen für Tage auch Schauplatz internationaler Berichterstatter. Reporter aus aller Welt fallen in der kleinen Stadt im Bergischen Land ein. Der Brandanschlag wird Symbol für Fremdenfeindlichkeit.

Solingen-Serie (1/5): Die Chronik des Geschehens

WDR 5 Morgenecho - Serie | 28.05.2018 | 02:53 Min.

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Teil 2: Die Opfer - Familie Genc aus Solingen
Von René Rabenschlag

Solingen-Serie (2/5): Die Opfer - Familie Genc aus Solingen

WDR 5 Morgenecho - Serie | 29.05.2018 | 03:54 Min.

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Mevlüde Genc ist 50 Jahre alt, als ihr die Flammen Heim und Familie rauben. Sie muss mit ansehen, wie ihre Angehörigen im Rauch ersticken, wie ihr Sohn schwerste Verbrennungen erleidet. Später, beim Prozess um den Brandanschlag, wird sie sagen: "Ich bin jetzt 51. Aber mein Herz ist 90". Familie Genc zieht in ein anderes Haus, am anderen Ende der Stadt. Ein Hochsicherheits-Gebäude mit Brandschutzfenstern. Aus Solingen wegziehen, das wollten sie nicht.

Teil 3: Schlagartig bekannt - die Berichterstattung nach der Tat
Interview mit Jörg Schönenborn

Solingen-Serie (3/5): Die Berichterstattung nach der Tat

WDR 5 Morgenecho - Interview | 29.05.2018 | 05:02 Min.

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Durch den Brand-Anschlag wurde die Stadt Solingen Gegenstand internationaler Berichterstattung. Zig Journalisten harrten tagelang am Tatort auf der "Unteren Wernerstraße" aus. Dass dabei auch Spuren vernichtet wurden, dass Polizei und Feuerwehr das Gelände zunächst nur unzureichend absicherten, zeigte sich erst Wochen später. Viel wurde über die Brand-Attacke von Solingen berichtet. Aber trafen die Reporter vor Ort den richtigen Ton? Und wie kann man angemessen berichten? Einer der ersten Journalisten vor Ort war Jörg Schönenborn, damals WDR-Reporter im Bergischen Land und gebürtiger Solinger. Wie der heutige WDR-Fernsehdirektor auf den Brandanschlag und die Berichterstattung zurückschaut, das fragen wir ihn im WDR5-Morgenecho.

Teil 4: Die Täter - vier junge Deutsche
Von René Rabenschlag

Solingen-Serie (4/5): Die Täter - vier junge Deutsche

WDR 5 Morgenecho - Serie | 30.05.2018 | 03:48 Min.

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Im psychologischen Gutachten über einen der vier Brandstifter steht zu lesen: "Was ich gemacht hab, war kein Mord. Ich hab bloß das Haus angesteckt, und dabei sind halt welche umgekommen." Drei der vier Täter erklären sich im Prozess um den Brandanschlag für unschuldig. Nach 125 Verhandlungstagen werden die Vier zu langen Haftstrafen verurteilt. Zehn Jahre danach sind die ersten Täter wieder frei. Sie sind nach Solingen zurückgekehrt.

Teil 5: Die Politik - betroffen und abwesend
Von Bettina Altenkamp

Solingen-Serie (5/5): Die Politik - das Dauerproblem Fremdenhass

WDR 5 Morgenecho - Serie | 01.06.2018 | 03:24 Min.

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NRW-Ministerpräsident Johannes Rau saß damals tief betrübt auf der Couch von Mevlüde Genc. Was gab es da auch zu sagen, nach einem Brandschlag mit fünf Toten?! Immerhin – Rau war da. Helmut Kohl, damals Bundeskanzler, kommt nicht. Der Anschlag ist Symbol für die Stimmung im Land: Die Bundesregierung schränkt das Recht auf Asyl ein, von "Asylanten" und "Schmarotzern" ist die Rede. Hat die nordrhein- westfälische Landesregierung nach dem Anschlag von Solingen Konsequenzen gezogen?

Redaktion: Ulrike Römer

Stand: 30.05.2018, 14:16