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Schülerstreik: "Alarmruf ist notwendig"

Schülerstreik: "Alarmruf ist notwendig"

Von Jürgen Döschner

"Fridays for future" - unter diesem Motto gehen weltweit Schüler und Schülerinnen auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Ihre immer lauter werdenden Proteste seien berechtigt und hilfreich, kommentiert Jürgen Döschner.

Die Demonstrationen und Streiks von Zehntausenden Schülerinnen und Schülern initiiert und gefördert von Putins Internet-Söldnern, ein Teil der Strategie Russlands, die Europäische Union zu schwächen?

Schülerstreik: "Alarmruf ist notwendig"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 18.02.2019 02:32 Min. Verfügbar bis 18.02.2020 WDR 5 Von Jürgen Döschner

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Man kann nur hoffen, dass Bundeskanzlerin Merkel das nicht wirklich so gemeint hat, dass sie sich nur unglücklich ausgedrückt hat, als sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz über Russlands "hybride Kriegsführung" und die Rolle des Internets dabei sprach - und als einziges konkretes Beispiel die Schülerproteste gegen den Klimawandel anführte. Dieser Verdacht wäre schon allein deshalb absurd, weil Putin so abhängig von Erdgas- und Erdölexporten ist, wie kaum ein anderes Land, und er deshalb nichts so sehr fürchtet, wie konsequenten Klimaschutz - auch und gerade in Deutschland - dem Hauptabnehmer für russisches Öl und Gas. Die protestierenden Schülerinnen und Schüler sollten sich von solchen Äußerungen nicht irritieren und schon gar nicht einschüchtern lassen. Genauso wenig wie von der Rundmail der NRW-Schulministerin Gebauer an alle Schulen in NRW, in der indirekt mit Sanktionen gegen die Teilnehmer der Klimastreiks gedroht wird. Solche Reaktionen, solche Versuche, diese Bewegung einzuschüchtern, werden mit jeder weiteren Freitagsaktion zunehmen. Und sie sind ein Beleg dafür, dass diese Schülerinnen und Schüler auf dem richtigen Weg sind. Ihr Anliegen wird registriert - selbst auf höchster politischer Ebene. Und ihre immer stärker werdenden Proteste sorgen für Unruhe. Das ist gut so, denn ihr Anliegen ist wichtig - das hat selbst Merkel eingeräumt. Ihr Alarmruf ist notwendig, denn wir, die Generation der Eltern und Großeltern haben bislang beim Klimaschutz kläglich versagt.

Unsere Kinder und Enkel machen nun jenen Druck, der dringend nötig ist, um beim Klimaschutz endlich voranzukommen, der jene Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft unterstützt, die mehr für den Klimaschutz tun wollen - und jene zurückdrängt, die bei der Bekämpfung der Klimakrise seit Jahren auf der Bremse stehen. Diese Proteste sind in jeder Hinsicht berechtigt und hilfreich. Und all denen, die den Schülerinnen und Schülern den vermeintlich guten Ratschlag geben, doch nicht zu heftig, nicht zu oft, nicht zu laut und schon gar nicht in der Schulzeit zu demonstrieren, denen seien folgende Zeilen von Wolf Biermann ans Herz gelegt. In seiner"„Ballade für einen wirklich tief besorgten Freund" schrieb der damalige DDR-Bürgerrechtler: "Mein Lieber, das kommt von der Arbeitsteilung: Der eine schweigt, und der andere schreit. Wenn solche wie du entschieden zu kurz gehn, dann gehn eben andre ein bisschen zu weit."

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 18.02.2019, 12:50