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Ausbildungsoffensive Pflege: "Hausaufgaben nicht gemacht"

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.

Ausbildungsoffensive Pflege: "Hausaufgaben nicht gemacht"

Bis zum Jahr 2023 soll es zehn Prozent mehr Pflegeausbildungsplätze geben. Das sei viel zu wenig, kommentiert Isabel Reifenrath, und die schwierigste Hausaufgabe dabei sei nicht gemacht: die bessere Bezahlung für Pflegekräfte.

Die Präsentation der Zauberzahl zehn Prozent erinnerte mich heute ein wenig an meine Schulzeit. Angesichts eines riesigen Hausaufgabenbergs habe ich mich eigentlich immer erst mal für die leichtesten Aufgaben entschieden – ausmalen, Lückentext oder 'ne easy Inhaltsangabe. Genau das haben Giffey, Heil und Spahn meiner Meinung nach jetzt auch gemacht.

Schon lange war klar, dass es mehr Ausbildungsplätze in der Pflege geben soll, nur wie viele stand noch nicht fest. Die Lücke ist jetzt gefüllt: zehn Prozent bis zum Jahr 2023. Und das ist eine enttäuschende Zahl. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich um eine Million steigen. Und da sollen 6800 mehr Pfleger bis zum Jahr 2023 reichen?

Pflegeausbildung: "Hausaufgaben nicht gemacht"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 29.01.2019 02:37 Min. WDR 5 Von Isabel Reifenrath

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Wohl kaum – zumindest gab Giffey zu, dass das Gremium lange um die zehn Prozent gerungen habe. Es folgte viel Ausmalerei: Wie wichtig die Konzertierte Aktion Pflege sei, wie richtig die Zusammenarbeit im Gremium und wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Ministern laufe. Und dann gab es auch noch mal eine Inhaltsangabe: was jetzt passieren soll, die Informationskampagne, mehr Beratung vor Ort, 5000 neue Weiterbildungsplätze. Schön und gut.

Nur, die wirklich schwierige Hausaufgabe ist noch nicht gemacht: dass es für Pfleger endlich mehr Geld gibt. Immerhin wies Bundesarbeitsminister Hubertus Heil auf den riesigen Elefanten im Raum hin. Er hielt dem Gremium quasi eine Predigt: der Erfolg ihrer Arbeit werde davon abhängen, ob eine Lohn- und Gehaltssteigerung zustande komme. Recht hat er.

Das Ziel seien bundesweit verbindliche Tarifverträge. Damit Pfleger nicht mehr von Land zu Land unterschiedlich bezahlt werden. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ergänzte, dass sich Union und SPD in diesem Punkt einig seien. Die Arbeitgeberverbände dürften keine falschen Hoffnungen in die Union setzen. Was hier durchscheint, ist doch fatal. Die Minister versuchen, den Druck auf die Verbände in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Alleine kommt das Gremium anscheinend nicht weiter. Dabei ist die Finanzierung der besseren Löhne nicht nur eine Frage des Willens der Arbeitgeber. Mehr noch eine Frage des gesamten Systems. Da braucht es gerade angesichts der stark steigenden Zahl an Pflegebedürftigen neue Ideen. Der Präsident des Deutschen Pflegerats hat zum Beispiel vorgeschlagen, Kranken- und Pflegeversicherung zusammenzulegen, um die Pflegekosten künftig finanzieren zu können.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wiederholt immer wieder, es müsse eine gesamtgesellschaftliche Debatte geben – da versteckt er sich meiner Meinung nach hinter seinem Hausaufgabenberg. Eigentlich müssten solche Vorschläge doch aus dem Gremium und von den Ministern kommen – doch die scheinen große Mühe zu haben ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 28.01.2019, 18:01