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Zahnspangen: Kassenleistung muss bleiben!

Kind mit Zahnklammer

Zahnspangen: Kassenleistung muss bleiben!

Ein vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten hat eine Debatte um den medizinischen Nutzen unter anderem von Zahnspangen entfacht. Doch es wäre unsinnig, diese Leistungen in Frage zu stellen, meint Anne Schneider in ihrem Kommentar.

Es ist ja schön, dass jede medizinische Leistung immer wieder auf den Prüfstand gestellt wird - aber die aktuelle Diskussion, ob Zahnspangen nicht vielleicht aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen werden sollten, ist unsinnig. Wenn etwa suggeriert wird, dass in Deutschland reihenweise Kinder auf Kosten der Kassen ihre ohnehin schon fast makellosen Zähne gerichtet bekommen, obwohl das gar nicht nötig ist. Aber genau dem wurde schon lange ein Riegel vorgeschoben.

Erstattung nur bei starken Fehlstellungen

Seit Jahren werden nämlich nur noch wirklich ausgeprägte Fehlstellungen auf Kassenkosten korrigiert. Fehlstellungen, bei denen zum Beispiel die unteren die oberen Schneidezähne um drei Millimeter überragen. Und auch dann kommt die Kasse nur für die Korrektur auf, wenn der Nachwuchs mit den schiefen Zähnen noch nicht volljährig ist. Zudem werden den Eltern erstmal nur 80 Prozent der Kosten erstattet. Den Rest gibt es erst, wenn das Kind die Behandlung erfolgreich abgeschlossen hat.

Kassen zahlen nicht für Kosmetik

Das alles gilt - wie gesagt - nur für wirklich schiefe Kiefer, dann nämlich wenn es medizinisch notwendig ist. Wenn es nur um ästhetische Korrekturen geht, zahlen die gesetzlichen Kassen heute nichts. Eltern, die ästhetische Korrekturen trotzdem wollen, müssen entweder schon früh eine gute Zusatzversicherung für das Kind abgeschlossen haben - oder eben selbst die mehreren 1.000 Euro für die Behandlung bezahlen.

Zahnspangen: Kassenleistung muss bleiben!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 04.01.2019 02:27 Min. Verfügbar bis 03.01.2020 WDR 5

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Bitterer Nebeneffekt für Kinder armer Eltern

Deshalb ist abzusehen: Falls man die Zahnklammern wirklich nahezu komplett aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen streichen würde, müssten noch viel mehr Eltern tief in die Tasche greifen, damit ihre Kinder grade Zähne haben. Der bittere Nebeneffekt: Garantiert würde man dann auch bei uns die Kinder von armen Eltern sofort erkennen, wenn sie den Mund aufmachen. Aber genau das sollte unsere reiche Gesellschaft nicht zulassen. Zumal die vorgelegte Studie nur sagt, dass der medizinische Erfolg in Sachen weniger Karies, Parodontitis und Zahnverlust nicht belegt sei – sie kann es aber auch nicht ausschließen. Kein Wunder - denn Karies und Co. hängen ja auch davon ab, wie gut die Zähne nach der kieferorthopädischen Behandlung gepflegt werden.

Was allerdings belegt ist: Zahnfehlstellungen werden wirksam durch die Klammer behoben und die Lebensqualität steigt. Gute Argumente dafür, die kieferorthopädische Behandlung nicht aus dem Katalog der gesetzlichen Kassen zu streichen.

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 03.01.2019, 18:12