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Einkommensvergleich: "Wohlstand ist unfair verteilt"

Blick über Gelsenkirchen am Abend.

Einkommensvergleich: "Wohlstand ist unfair verteilt"

Von Hendrik Buhrs

Sag mir, wo du wohnst, und ich sag dir, wie viel du hast? Ganz so einfach lässt sich der Einkommensvergleich der Hans-Böckler-Stiftung nicht interpretieren, kommentiert Hendrik Buhrs. Trotzdem sage die Untersuchung etwas über ein soziales Problem unserer Zeit aus.

Sag mir, wo du wohnst, und ich sag dir, wie viel du hast? So einfach lässt sich der Einkommensvergleich der Hans-Böckler-Stiftung nicht interpretieren. Es stimmt, dass der durchschnittliche Gelsenkirchener weniger Geld hat als der durchschnittliche Mensch im Kreis Olpe. Fast 11.000 Euro im Jahr weniger, genau gesagt. Olpe ist der reichste Kreis, Gelsenkirchen der ärmste in NRW. Aber gibt es auch im Sauerland arme Haushalte und im Ruhrgebiet Millionäre. Es sind eben Durchschnittszahlen.

Trotzdem ist es interessant, zu fragen, warum in manchen Regionen entweder mehr Reiche zuziehen oder die Ansässigen reicher werden. Es sind nicht die Großstädte, die seit der Jahrtausendwende zugelegt haben, sondern das Sauerland, das Münsterland, Gebiete in Ostwestfalen. Ein niedriges, oft sogar schrumpfendes Einkommen haben dagegen viele Ruhrgebietsstädte.

Wie lässt sich der Gegensatz überwinden? Das Grundgesetz fordert schließlich gleichwertige Lebensverhältnisse. Es muss attraktiver werden, nicht nur am schicken Phoenixsee in Dortmund zu wohnen, sondern auch in den weniger hippen Gegenden im Ruhrgebiet. Heimat ist doch das aktuelle Zauberwort der Politik. Und ein Wohlstandsgefälle, das es gilt, etwas kleiner zu machen, ist auch eine Frage von Heimat. Wo viel verdient wird, können Städte ihren Bewohnern bessere Verkehrswege, Schulen und Spielplätze bauen. Statt viel Geld mit der Gießkanne im ganzen Land zu verteilen, sollten wir konsequenter die ärmeren Kommunen unterstützen.

Das wird in Zukunft noch wichtiger, weil auf EU-Ebene einige Karten neu gemischt werden. Nach der Europawahl im Mai werden ein neues EU-Parlament und auch eine neue Kommission ihre Schwerpunkte für die Regionalförderung definieren. Die hat in der Vergangenheit einige wichtige Impulse gerade nach NRW gebracht. Aber in Zeiten des Brexits und einer gewissen EU-Müdigkeit ist nicht unbedingt mit mehr Geld aus diesem Topf zu rechnen. Da werden auch die deutsche Bundes- und die NRW-Landesregierung aktiver werden müssen.

Und tatsächlich auch die Städte und Gemeinden selbst. Um ein begehrterer Wohn- und Arbeitsort zu werden, ist Geld nicht alles. Es klingt zunächst banal, aber um die Potentiale einer Stadt aufzudecken, reichen für den Anfang auch regelmäßige Netzwerktreffen in der Mehrzweckhalle. Mit örtlichen Unternehmern, Alteingesessenen, Zugereisten. Aufbruchsstimmung und Anpack-Motivation können helfen, manch ein Defizit als eine Chance zu begreifen.

Redaktion: Sebastian Moritz

Einkommensvergleich: "Wohlstand ist unfair verteilt"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 25.04.2019 02:38 Min. WDR 5 Von Hendrik Buhrs

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Stand: 25.04.2019, 12:44