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Nationaler Waldgipfel: "Es braucht einen Generationenvertrag"

Abgestorbene Bäume im Königsforst, 25.07.2019

Nationaler Waldgipfel: "Es braucht einen Generationenvertrag"

Von Claudia Plaß

Der Klimawandel setzt den Wäldern stark zu. Landwirtschaftsministerin Klöckner lädt deshalb zu einem "nationalen Waldgipfel" ein. Dabei soll es unter anderem um ein großes Aufforstungsprogramm gehen. Es brauche ein neues gemeinsames Konzept zur Rettung der Wälder, kommentiert Claudia Plaß.

Dürre, Stürme, Schädlingsbefall – das alles setzt den Bäumen zu, die deutschen Wälder sind akut bedroht. Die Warnungen von Forstleuten und Umweltschützern vor einem Klimanotstand für den Wald oder einem Waldsterben 2.0 sind drastisch – und sie finden mittlerweile Gehör bei der Bundesregierung. Wenn Bundesagrarministerin Julia Klöckner von der CDU jetzt zu einem nationalen Waldgipfel einlädt, dann ist das zunächst einmal ein gutes Zeichen.

"Umbau der Wälder ist Generationenaufgabe"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 02.08.2019 01:46 Min. Verfügbar bis 31.07.2020 WDR 5 Von Claudia Plaß

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Ein solcher Gipfel darf aber nicht, wie so viele andere Runden zur Klimaschutzpolitik, ergebnislos verlaufen. Die Ministerin hat recht, wenn sie sagt: "Der Umbau der Wälder ist eine Generationenaufgabe". Diese Aufgabe muss kurzfristig angegangen, aber langfristig ausgelegt werden. Ein weiteres Zögern wird den Wald akut noch mehr gefährden, gleichzeitig ist ein langer Atem nötig, um den Wald künftig widerstandsfähiger zu machen und die Bäume dem Klimawandel anzupassen. Die starke Ausrichtung auf den forstwirtschaftlichen Nutzen der Wälder in den vergangenen Jahren rächt sich jetzt. Auch das Bundesumweltministerium verweist zurecht darauf, dass es nicht reicht, die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen, in dem man Wälder mit schnell wachsenden und anfälligen Fichten und Kiefern durch neue Wälder mit Fichten und Kiefern ersetzt. Denn gerade diese Monokulturen aus Nadelwäldern sind extrem von Stürmen, Dürre und Borkenkäfern geschwächt.

Langfristig gilt: Es braucht mehr Mischwälder aus Nadel- und Laubbäumen, darunter der Klassiker Eiche, aber möglicherweise auch die Esskastanie – ein Baum, der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt. Der Waldumbau kostet Zeit, Geld und Personal. Und es braucht den Willen aller politischen Parteien, sich aktiv und vor allem vorausschauend für Klimaschutzziele einzusetzen. Und anders als etwa der Umstieg von Verbrennungs- auf Elektromotoren kann nicht innerhalb weniger Jahre umgesteuert werden – dafür braucht es Jahrzehnte. Es braucht also einen Generationenvertrag unter Einschluss von Forstwirtschaft, Experten und aller Parteien. Die Beteiligten muss eines einen: ein neues gemeinsames Konzept zur Rettung der Wälder. Noch blickt die Öffentlichkeit in Sachen Klimaschutz-Maßnahmen eher frustriert und ernüchtert auf die politischen Verantwortlichen. Aber der Druck, nicht zuletzt von der Fridays-for-Future-Bewegung, wächst. Und vielleicht ist es der Wald, der das eine oder andere verschlossene politische Auge in Sachen Klimaschutz öffnet. Und zu der Einsicht führt: Nicht für die nächsten fünf oder zehn Jahre, sondern für die nächsten Generationen muss Politik jetzt handeln.

Redaktion: Claudia Plaß

Stand: 01.08.2019, 17:36