Live hören
Jetzt läuft: Ain't Got No (I Got Life) [Instrumental] von Patrice

UN-Migrationspakt: Gutes Signal aus Marrakesch

 Rohingya-Flüchtlinge gehen mit Gepäck über Reisfeld

UN-Migrationspakt: Gutes Signal aus Marrakesch

Der UN-Migrationspakt ist von mehr als 150 Staaten angenommen worden. Damit betrachtet die große Mehrheit der Staatengemeinschaft Migration als das, was es ist: als Realität, kommentiert Alexander Göbel.

Endlich ist er angenommen, der UN-Migrationspakt. 164 Staaten haben zugestimmt und damit zum Ausdruck gebracht: Sie sind dabei, wenn es darum geht, Migration sicherer zu machen, zu ordnen und zu regeln. Die große Mehrheit der Weltgemeinschaft betrachtet Migration endlich als das, was sie ist: als Realität. Als ein Phänomen, das es auf diesem Globus und insbesondere innerhalb des afrikanischen Kontinents immer schon gab. Als ein Phänomen, das gerade in diesen Zeiten gemeinsam und multilateral gemanagt werden muss. Damit Staaten die Kontrolle darüber behalten, wer wohin migrieren darf. Damit Schleppern und Schleusern das Handwerk gelegt werden kann. Damit Menschen für ein besseres Leben nicht länger ihr eigenes riskieren müssen. Und: Damit ihre Menschenrechte respektiert werden - ob sie gehen, bleiben oder zurückkehren müssen.

UN-Migrationspakt: Gutes Signal aus Marrakesch

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 11.12.2018 | 02:43 Min.

Download

Eigentlich ist das Thema Migration ganz normal

In Marrakesch ging es darum, Migration nicht neu zu definieren, aber neu und modern zu begreifen. Nicht nur als globales Problem, als Bedrohung, sondern - ja - als Chance, als potenziell nützlich für alle: sowohl für die Migranten selbst, für ihre Herkunftsländer, die von teilweise enormen Rücküberweisungen profitieren, sowie für die Transit- und die Aufnahmeländer, die ohne Arbeitsmigranten oft gar nicht mehr auskommen. 

Nicht umsonst hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Konferenzteilnehmer wissen lassen: Seine 95 Jahre alte Mutter werde in Lissabon rund um die Uhr gepflegt. Nicht von einer portugiesischen, sondern von einer aus Afrika stammenden Pflegekraft. Eine kleine Anekdote, die zeigt, wie normal das Thema Migration eigentlich ist.

Moralische und politische Verantwortung

Genau für diesen offensiven, nüchternen, konstruktiven Umgang mit Migration hat die Konferenz von Marrakesch den Weg freigemacht und Rahmenbedingungen formuliert. Die Ziele des Paktes sind freiwillig, rechtlich nicht bindend, sie beschneiden nicht die Souveränität der Nationalstaaten - anders als von Kritikern wie den USA, Australien, Österreich und vielen osteuropäischen Staaten befürchtet. Anders als die klare Mehrheit der Weltgemeinschaft stehen diese Länder heute nicht im Licht von Marrakesch, sondern im Schatten.

Natürlich: Dieser Migrationspakt ist der berühmte Pudding, der an die Wand genagelt wird, denn noch ist nicht klar, wie weitreichend seine Umsetzung und die Überprüfung dieser Umsetzung überhaupt gelingen kann. Aber: Die Welt hat sich am Montag allen Breitseiten von rechts zum Trotz zu ihrer moralischen und politischen Verantwortung bekannt. Sie will den Diskurs über Migration endlich selbstbewusst besetzen. Es ist ein gutes Signal, das von Marrakesch ausgeht.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 10.12.2018, 18:32