U-Ausschuss zu Missbrauchsfällen Lügde: "Gut so!"

Polizeiauto am mutmasslichen Tatort in Lügde

U-Ausschuss zu Missbrauchsfällen Lügde: "Gut so!"

Der NRW-Landtag hat beschlossen, einen Untersuchungsausschuss zu den Missbrauchsfällen in Lügde einzusetzen. Der Beginn dieses Ausschusses sei zumindest schon mal vielversprechend, meint Bettina Altenkamp in ihrem Kommentar.

Radikale haben im Parlament nichts verloren – aber: manchmal müssen Parlamentarier radikal sein.

Der Untersuchungsausschuss zu den Fehlern, Pannen, Versäumnissen im Fall Lügde ist dafür wie geschaffen. Schreit geradezu nach Abgeordneten, die radikal sein wollen. Radikal alles unter die Lupe nehmen, umfassend aufklären und Fehler offen und öffentlich benennen. Die radikal auf Parteiinteressen und die sonst üblichen Machtspielchen pfeifen – und sich nur der einen Aufgabe verschreiben: In der Zukunft solche oder ähnliche Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch möglichst zu verhindern.

Es geht um die Schwächsten und Wehrlosesten in unserer Gesellschaft. Die besonderen Schutz und radikale Schützer brauchen. Der Beginn dieses Untersuchungsausschusses ist zumindest schon mal vielversprechend. Alle Fraktionen sind sich einig – dass aufgeklärt werden muss. Diese Einigkeit muss erhalten bleiben. Denn nur wenn wirklich aufgeklärt wird – können daraus auch echte Lehren gezogen werden.

U-Ausschuss zu Missbrauchsfällen Lügde: "Gut so!"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 27.06.2019 02:15 Min. Verfügbar bis 25.06.2020 WDR 5 Von Bettina Altenkamp

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Und die Fragen sind zahlreich: Wieso konnte dem Hauptverdächtigen überhaupt ein Kind zur Obhut anvertraut werden? Zumal es bereits den Verdacht auf Missbrauch gab? Wieso wurde diesen Hinweisen nicht ordentlich nachgegangen? Wieso haben Polizei und Jugendämter sich nicht ausgetauscht?

Und – als dann die grausamen Taten bekannt wurden – wieso hat die kleine und ganz offenbar überforderte Kreispolizeibehörde in Lippe weiter an dem Fall herum dilettiert. Verlorene Beweismittel und offenbar schlampige Durchsuchungen sprechen da eine ziemlich deutliche Sprache? Warum hat die Politik, hat der zuständige Innenminister Herbert Reul nicht früher reagiert und die Ermittlungen der größeren und erfahreneren Behörde in Bielefeld übertragen?

Bei diesem Untersuchungsausschuss muss radikal alles auf den Tisch, darf es weder Denkverbote noch heilige Kühe geben. Damit wir uns nicht missverstehen: Bei aller Einigkeit – es darf auch gestritten werden, muss es auch – sogar heftig! Allerdings: nicht um Prestigegewinn oder Parteiinteressen, sondern ausschließlich um die wirklich radikal besten Vorschläge – damit Kinder künftig besser vor Missbrauch geschützt sind.

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 26.06.2019, 18:58