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Thyssenkrupp: Nichts als schöne Worte

Hauptgebäude von Thyssenkrupp in Essen

Thyssenkrupp: Nichts als schöne Worte

Von Denis Friese

Sanieren, sparen, verkaufen: Thyssenkrupp will endlich profitabel werden. Aber Stellenabbau und Standorte abschütteln – damit allein lässt sich kein Konzern retten, kommentiert Denis Friese.

Kein Wunder, dass ThyssenKrupp immer wieder in Krisen steckt. Wenn der Vorsitzende und ehemalige Finanzchef Guido Kerkhoff erst nach Jahren bemerkt, dass zwei Milliarden Euro Verwaltungskosten viel zu hoch sind, hat er wohl grundlegend etwas falsch gemacht. Dass das erst auffällt, weil der Stahlbereich die Konzernbilanz runterzieht, ist merkwürdig.

Thyssen-Krupp: "Schöne Worte für vermeintliche Strategie"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 09.08.2019 02:18 Min. Verfügbar bis 08.08.2020 WDR 5 Von Denise Friese

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Zugegeben – das Sorgenkind Stahl sorgt immer wieder für Überraschungen, die so nicht geplant waren. ThyssenKrupp wollte den Stahlbereich ja ausgliedern, um den Klotz am Bein loszuwerden. Aber die Wettbewerbshüter haben dem Konzern einen Strich durch die Bilanz-Rechnung gemacht. Aber auch dafür hätte ein guter Manager schon lange Plan B haben müssen. Keine Frage, die ganze Stahlindustrie in Deutschland schwächelt – es sind schwierige Zeiten. Völlig überteuerte Rohstoffpreise, politische Handelskonflikte und eine sinkende Nachfrage. Darauf hat der ThyssenKrupp-Chef  wirklich keinen Einfluss.

Aber Guido Kerkhoff hat Einfluss auf seine Sparkonzepte. Die treffen nämlich hauptsächlich die Beschäftigten, und vor allem die Stahlarbeiter, für die ThyssenKrupp aus Tradition eine besondere Verantwortung haben sollte. Aber Geschäfte, die Geld verbrennen, - dazu gehört der Stahl - soll es bald nicht mehr geben. Stellenabbau und Standorte abschütteln – damit allein lässt sich kein Konzern retten. Darüber hinaus gibt es nicht mehr als schöne Worte und angebliche Strategien: Wenn es heißt: "Die Geschäfte sollen langfristig für profitables Wachstum aufgestellt werden", frage ich mich: Ist das nicht sowieso der Job eines Managers, der jedes Jahr einige Millionen Euro kassiert? Und gerade jetzt hört es sich an wie eine Beruhigungspille für Finanzinvestoren.

Man merkt, sie sitzen dem Thyssenkruppchef im Nacken und wollen Profit. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch noch das lukrative Aufzugsgeschäft an die Börse gebracht werden soll. Es könnte dem Konzern zwar Milliarden einbringen, aber es öffnet auch weitere Türen für Geldjongleure.

ThyssenKrupp hat seit dem Tod von Berthold Beitz keinen Firmenpatriarchen mehr, dem auch Tradition und Zuverlässigkeit wichtig waren. Der Konzern ist mittlerweile voll und ganz im Zeitalter von beliebigen Managern und Finanzinvestoren angekommen.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 08.08.2019, 17:57