Syrien: Einigkeit des Westens beste Waffe gegen Russland

Zerstörte Häuser in Duma (19.03.2018)

Syrien: Einigkeit des Westens beste Waffe gegen Russland

Deutschland sollte an der Seite der westlichen Verbündeten stehen, auch wenn ein Raketenangriff auf Syrien eine falsche Maßnahme wäre. Denn die Einigkeit des Westens sei die wichtigste Waffe gegen Russland, meint Christoph Prössl in seinem Kommentar.

Es sieht danach aus, als hätte Assad geschafft, was er erreichen wollte: Ein Giftgas-Angriff hat eine wichtige Entscheidung in Syrien herbeigeführt, den Sieg über die Rebellen in Duma. Das ist schwer erträglich. Genauso unerträglich ist, dass Russland im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Aufklärung verhindert und zur Schutzmacht Assads geworden ist.

Nun mit einem Raketenangriff zu reagieren, wäre jedoch die falsche Maßnahme. Affekt-geleitete Außenpolitik würde die Lage nur weiter eskalieren.

Weiter an der Seite der Verbündeten stehen

Die Bundesregierung hat richtig entschieden, eine militärische Beteiligung kategorisch abzulehnen. Ebenso klug ist es, trotzdem an der Seite der Verbündeten - also der USA, Großbritanniens und Frankreichs - zu stehen. Dazu gehört auch, möglicherweise einen Angriff mitzutragen, von dem noch völlig unklar ist, ob er überhaupt stattfinden wird und wenn ja in welcher Form.

Die diplomatischen Bemühungen und die militärischen Planungen laufen ohne dass ersichtlich wird, wie ein solcher Angriff aussehen könnte und ob er überhaupt durchgeführt werden kann, ohne wiederum russische Gegenmaßnahmen zu provozieren. Das ist gefährlich und beängstigend, und hoffentlich wird es nicht zu weiteren militärischen Schritten kommen.

Einigkeit des Westens ist bedeutend

Die Einigkeit des Westens ist deswegen so bedeutend, weil sie die wichtigste Waffe ist gegen Russland. Präsident Wladimir Putin muss einlenken und Aufklärung ermöglichen. Das gilt für den Giftgas-Angriff in Syrien ebenso wie für die Attacke auf einen ehemaligen Spion und seine Tochter in Großbritannien.

Wenn Russland blockiert, muss Russland sich erklären und nicht die anderen Staaten müssen deutlich machen, warum sie erste Maßnahmen - die Ausweisung russischer Diplomaten - vorgenommen haben (was übrigens im Handwerkskasten internationaler Diplomatie ein eher minimalinvasiver Eingriff war).

Syrien: Deutschland sollte möglichen Angriff mittragen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.04.2018 | 03:07 Min.

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Ein langer Atem und viele kleine Schritte

Es ist unbefriedigend, wieder und wieder zu hören, dass Politiker den Druck erhöhen wollen: im Sicherheitsrat, damit Russland doch noch einlenkt, oder in Appellen, die irgendwie doch noch eine Wende herbeiführen sollen.

Aber so ist es eben: Außenpolitik braucht oft einen langen Atem und viele kleine Schritte. Es dürfte eine spannende Frage werden, ob Russland in der Lage ist, den Aufbau in Syrien zu finanzieren. Das ist ein gewichtiges Druckmittel für den Westen.

Gefragt ist eine besonnene Reaktion

Ohne Russland wird es in Syrien keinen Frieden geben, ja! Und deswegen sind alle Gesprächskanäle offen. Und weil ein unberechenbarer amerikanischer Präsident mit unbedacht formulierten Tweets mehr schadet als nutzt, ist die deutsche Verantwortung umso größer.

Die Bundesregierung nimmt eine besondere Rolle ein für Russland als Ansprechpartner und möglicherweise sogar Mittler. Es muss im deutschen Interesse sein, einer Verwahrlosung beim Umgang mit  internationalen Vereinbarungen wie der Chemiewaffenkonvention entgegen zu wirken.

Die russische Politik, den Westen zu spalten und durch das Schüren von Konflikten, Gerüchten und Fehlinformationen die eigene Position zu stärken, ist gefährlich. Eine besonnene Reaktion ist die einzige mögliche Antwort. Und dazu gehört gewiss kein Raketenangriff.

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 12.04.2018, 16:37