Syrien-Konferenz: Milliarden gegen die Ohnmacht

Syrien-Konferenz in Brüssel am 25.04.2018

Syrien-Konferenz: Milliarden gegen die Ohnmacht

Den Ländern und Organisationen, die den kriegsgeschundenen Menschen in Syrien Hilfe geben, wird geholfen, damit sie weiterhelfen können. Dieses Ziel hat die Syrien-Konferenz in Brüssel erreicht. Ein Kommentar von Kai Küstner.

Es ist ebenso tragisch wie wahr: Was Syrien angeht, verharrt die EU in der Rolle eines "hilflosen Helfers". Ja, die Europäer lindern mit ihren Milliarden-Zuwendungen das unerträgliche Leid der Flüchtlinge und anderer Opfer dieses brutalen Krieges. Ihn zu stoppen, vermögen sie nicht. Bislang jedenfalls nicht. Nun ist es leider mit Erwartungen so: Wenn man sie allzu sehr in die Höhe schraubt, schmerzt die Enttäuschung hinterher umso mehr. Genau das aber hatte die für EU-Außenpolitik zuständige Federica Mogherini getan, als sie ankündigte, man werde sich bei der Syrien-Konferenz um eine Wiederbelebung der Friedensgespräche bemühen. Dass jeglicher Reanimierungs-Versuch des kaum ein Lebenszeichen von sich gebenden Verhandlungsprozesses in Brüssel würde scheitern müssen, war aber von vornherein klar. Dafür ist die Aufgabe zu gigantisch.

US-Präsident Trump ist planlos unterwegs

Nun muss man den Europäern zugutehalten, dass sie zumindest eine verschwommene Vorstellung davon zu haben scheinen, wie sich eines fernen Tages alle mächtigen Mitspieler in diesem Konflikt doch noch an einem - von den Vereinten Nationen gestellten - Verhandlungstisch wiederfinden könnten. Im Gegensatz übrigens zum US-Präsidenten: Donald Trump ist in seiner Syrien-Politik so planlos unterwegs, dass er damit alle internationalen Anstrengungen letztlich zunichte zu machen droht. Die Europäer wissen sehr genau, dass man für Frieden in Syrien den Umweg über Moskau nehmen muss. Ohne Druck aus Russland wird sich der syrische Machthaber Assad keinen Millimeter bewegen - scheint er doch gewillt, diesen Krieg auf dem Schlachtfeld entscheiden zu wollen. Dass ihm jegliche Skrupel dabei fremd sind, hat er zur Genüge bewiesen. Nun wähnt sich Assad auf der Siegerstraße.

Das Druckmittel der Europäer

Gespräche aber mit dem Kreml sind in einer Situation zuletzt noch frostiger gewordener Beziehungen zum Westen sicher nicht einfacher geworden. Ein mögliches Druckmittel haben die ansonsten an Syrien-Trumpfkarten so armen Europäer aber noch in der Hinterhand - und das hat wiederum mit Geld zu tun: Es ist kein Geheimnis, dass gerade Russland sich sehnlich wünscht, die EU möge sich doch lieber schon heute als erst morgen an den Wiederaufbau des kriegsversehrten Landes machen. "Nein", schleudern die Europäer Moskau in dieser Frage einigermaßen einhellig entgegen. Wiederaufbau gibt es erst, wenn der Friedensprozess auf ein sicheres Gleis gesetzt ist.

Auf die kommenden Wochen kommt es an

Darin besteht die winzige Hoffnung des Westens: Dass auch Putin sich ein letztlich nicht im Chaos versinkendes Syrien wünscht, ihm für eine Garantie dafür aber das Geld fehlt. Geben die Friedensgespräche aber auch in den kommenden Wochen kein Lebenszeichen von sich, macht Assad - gestärkt von Iran und Russland - weiter mit seinem Feldzug gegen Rebellen und Zivilbevölkerung, dann wird das Leid der Menschen noch unerträglicher werden. Und dann wird sich auch die nächste Syrien-Konferenz allenfalls zugutehalten können, mit ihren Milliarden die Qualen ein wenig gelindert zu haben, ohne sich aber aus der eigenen Ohnmacht im Angesicht dieses schmutzigen Krieges befreit zu haben.

Redaktion: Marc Heydenreich

Syrien-Konferenz: Milliarden gegen die Ohnmacht

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 26.04.2018 | 08:08 Min.

Download

Stand: 26.04.2018, 17:38