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Stadtarchiv-Einsturz: Urteil mit fatalem Signal

Einsturzstelle Stadtarchiv

Stadtarchiv-Einsturz: Urteil mit fatalem Signal

Mehrere Freisprüche und eine Bewährung, die wirke, wie ein Klaps auf die Finger eines Kleinkindes: Dieses Urteil im Strafprozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs sei ein fatales Signal, meint Frank Überall in seinem Kommentar.

Zwei Menschen sind gestorben. Etliche Tonnen wertvolle Archivalien wurden verschüttet und müssen aufwändig restauriert werden – ein Vorhaben, das Jahrzehnte dauern wird. Der finanzielle Schaden beträgt weit mehr als eine Milliarde Euro. Das Vertrauen in die Kölner Stadtpolitik wurde dramatisch erschüttert. Die Liste der Folgen des Archiveinsturzes in Köln ließe sich beliebig fortsetzen. Fast zehn Jahre ist das jetzt her. Diejenigen, die dafür Verantwortung tragen, sollten sich schämen. Und sie sollten bestraft werden. Aber was ist beim Strafprozess herausgekommen? Mehrere Freisprüche und eine kleine Bewährungsstrafe, die so wirkt, als ob man einem kleinen Kind leicht auf die Finger haut, weil es eine lässliche Verfehlung begangen hat.

Es geht hier aber nicht um unmündige Minderjährige, die Fehler gemacht haben. Es geht um erwachsene Menschen in verantwortungsvollen Positionen. Sie haben viel Geld verdient mit ihren Posten, die ihnen Macht und Einfluss gegeben haben. Sie trugen die Verantwortung für eine Baustelle, die gefälligst professionell organisiert werden sollte. Aber was ist passiert? Da wurde gepfuscht, verschleiert, gelogen! Mit der Liebenswürdigkeit des alltäglichen Kölschen Klüngels hatte das nichts mehr zu tun. Unverschämtheit und Dreistigkeit allerdings sind keine strafrechtlichen Kategorien.

Stadtarchiv-Einsturz: Urteil mit fatalem Signal

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.10.2018 | 02:48 Min.

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Was muss das für einen Eindruck auf die Familien machen, deren Angehörige bei dem Einsturz getötet wurden? Die Straffreiheit und die eine milde Mini-Strafe sind ein fatales Signal: Man kann also eine Baustelle mitten in einer Millionenstadt so chaotisch und verantwortungslos organisieren, dass Leichen als Bagatellschaden in Kauf genommen werden. Man darf pfuschen, verschleiern, lügen – und bekommt dafür Urteile, die von vielen nicht als gerecht empfunden wird.

Wobei ohnehin nur sehr wenige überhaupt vor Gericht standen. Wer bei den Kölner Verkehrs-Betrieben als Bauherr oder im Rathaus Verantwortung trug, kam mit dem Schrecken davon. Die organisierte Verantwortungslosigkeit der leichtfüßigen Kölner Stadtpolitik ist zwar dumm und gefährlich, aber offensichtlich nicht spürbar strafbar. Was für ein fragwürdiges Lehrstück für inkompetente, pflichtvergessene und faule Beamte oder Volksvertreter!

Man gewinnt nicht den Eindruck, dass man im Kölner Rathaus aus dem unfassbaren Skandal rund um den Archiveinsturz nachhaltig gelernt hätte. Die Politiker verstricken sich in Postengeschacher, parteipolitischen Kleinkriegen und Ignoranz gegenüber jeglicher Verantwortung. Köln bleibt in der bundesweiten Berichterstattung immer wieder eine Negativ-Schlagzeile wert. Probleme werden selten angegangen, meistens werden sie verdrängt. Verantwortung für Fehlentscheidungen wird mit rheinischer Fröhlichkeit stets weit von sich geschoben – man kann nur hoffen, dass das nicht eines Tages wieder zu so einer Katastrophe wie dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln führt.

Redaktion: Lisa Schöffel

Stand: 12.10.2018, 15:37