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Klimafalle Stadt

Eine Frau trinkt aus einer Flasche Wasser.

Klimafalle Stadt

Es ist extrem heiß. Die Folgen der Erderwärmung treffen vor allem die Städte in Deutschland. Eine weitgehend verfehlte Stadt- und Regionalplanung ist eine Ursache dafür. Ein Kommentar von Ferdinand Klien.

Die Grünen haben mit ihrem populistischen Hitzeaktionsplan ein politisches Eigentor geschossen. Jetzt, wo die Folgen der Erderwärmung auch deutsche Städte voll treffen, präsentieren sie gute Vorschläge: hitzefrei für Bauarbeiter, im Home Office arbeiten oder Patenschaften für Senioren, deren Gesundheit bei Temperaturen über 30 Grad ernsthaft Schaden nimmt. Dabei waren und sind es auch grüne Stadträte oder Senatoren, die nichts gegen innerstädtische Verdichtungen durch Wohngebäude oder Bodenversiegelung tun und so Fehlentwicklungen wissentlich befördern.    

Wie kam es zur Hitze in der Stadt? Eine weitgehend verfehlte Stadt- und Regionalplanung ließ die Metropolregionen entstehen. Stetig zunehmende Pendlerströme blockieren wichtige Straßen, der  Öffentliche Personennahverkehr und die Radwegeplanung hinken Jahrzehnte hinterher. Freie  Flächen verschwinden unter Betonmassen, das Mikroklima als wichtiger Ausgleichsfaktor greift nicht mehr. Ebenso eindeutig: Der Temperaturunterschied zwischen City und  Umland beträgt schon bis zu fünf Grad. Grüne Dächer und Fassaden oder ein Springbrunnen hier und da bewirken zu wenig.

Versäumnisse der Vergangenheit rächen sich heute

Erlaubt sei ein Rückblick in die 80er Jahre: Schon damals forderten Stadtplaner und Architekten die Entkernung und Begrünung der Innenhöfe ebenso wie Frischluftschneisen, wo an Wasserläufen Flora und Fauna gedeihen und Fahrradschnellwege Mobilität erleichtern sollten. Sogar die autofreie Innenstadt wurde ernsthaft diskutiert. Davon wurde so gut wie nichts umgesetzt. Eher verschwanden auch noch Straßenbahnen und elektrische Trolleybusse.

Ein Sonntagsfahrverbot, also ein Tag in pro Woche, an dem die Feinstaubbelastung zurückgeht, ein Verdichtungsstopp oder gar eine Einschränkung  des Flugverkehrs durch die Verringerung der Start- und Landeslots stehen nicht auf der politischen Agenda. Der Städtetourismus boomt und erhöht die CO2-Belastung ebenso dramatisch wie SUVs und Geländewagen, deren gemeinsamer Marktanteil  inzwischen über 30 Prozent liegt. Die Auslieferungen von Online-Bestellungen blockieren immer mehr Straßen. Folgen: Die Temperaturen in den Städten und die Feinstaubbelastung steigen. Die Anzahl heißer Tage kann sich bis 2080 verzehnfachen.

Da Verbraucher mehrheitlich keine Einschränkungen oder gar Verbote wollen, wird die Politik sie in Deutschland kaum wagen. Und die jungen Demonstranten von Fridays for Future? Vielleicht bilden  ihre Aktionen und die verzweifelten Appelle des Weltklimarates mittelfristig die letzte Chance, doch noch aus der Klimafalle Stadt zu entkommen.

Klimafalle Stadt

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 26.07.2019 02:35 Min. Verfügbar bis 24.07.2020 WDR 5 Von Ferdinand Klien

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Stand: 25.07.2019, 15:46