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Zugriff auf Smarthome-Daten: "Fatale Konsequenzen"

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Zugriff auf Smarthome-Daten: "Fatale Konsequenzen"

Die Innenminister der Länder überlegen, Smarthome-Daten zur Verbrechensbekämpfung zu nutzen. Das wäre ein Frontalangriff auf den Datenschutz, meint Dennis Horn in seinem Kommentar.

Was bei den Innenministern im Gespräch ist, ist nichts anderes als ein Frontalangriff auf den Datenschutz. Was Google, Facebook oder Amazon mit unseren Daten anstellen, wenn wir ihre Geräte in unsere Wohnungen lassen, ist das eine. Schon hier gibt es genug Stoff zur Diskussion.

Was aber passiert, wenn der Staat unsere Daten abgreift, ist noch einmal eine andere Frage. Er besitzt das Gewaltmonopol. Datenschutz - das ist in Deutschland aus historischen Gründen auch ein Konstrukt, das uns als Bürger vor dem Staat schützen soll.

Zugriff auf Smarthome-Daten: "Fatale Konsequenzen"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 06.06.2019 02:41 Min. Verfügbar bis 04.06.2020 WDR 5 Von Dennis Horn

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Da wären die digitalen Assistenten wie Siri oder Cortana, die intelligenten Lautsprecher wie Amazon Echo oder Google Home oder andere Geräte mit Mikrofon an Bord. Sie würden mit den Plänen der Innenminister erst recht zu möglichen Wanzen für die Sicherheitsbehörden; freiwillig installiert in unseren Wohnungen, an unseren Arbeitsplätzen, immer öfter auch im Auto - dagegen ist der große Lauschangriff aus den 90ern ein Witz.

Bei Kapitalverbrechen und Terror auch auf "digitale Spuren" zugreifen zu dürfen, klingt erst einmal sinnvoll. Doch die Konsequenzen wären fatal. Denn dort, wo eine Infrastruktur entsteht, um Daten abzugreifen; wo Hintertüren geschaffen werden, um Daten durchzulassen; dort wird auch immer die Sicherheit geschwächt - und das ist nicht nur für die Bürger gefährlich, sondern auch für die Wirtschaft, für den Schutz gegen Industriespionage oder Angriffe über das Internet.

Nehmen wir zwei weitere Ideen. Das Bundesinnenministerium will Messenger dazu verpflichten, verschlüsselte Nachrichten lesbar zu machen. Texte und Fotos also, die wir uns zum Beispiel per WhatsApp schicken und die dort so verschlüsselt werden, dass nicht einmal der Anbieter mitlesen kann, sollen für Sicherheitsbehörden entschlüsselt werden können. Auch die Sicherheit beim neuen 5G-Mobilfunkstandard soll so weit gesenkt werden, dass Hintertüren möglich werden.

Wo aber eine Verschlüsselung so weit geschwächt wird, dass man sie aushebeln kann, dort gibt es keine Verschlüsselung mehr. Jede Hintertür, jede Sicherheitslücke, kann immer auch von Kriminellen genutzt werden. Oder von einem Staat, der irgendwann nicht mehr der demokratische und freiheitliche Staat ist, der er war, als diese Gesetze gemacht wurden.

Jetzt sagen einige: Dann stellt euch halt keine Wanze ins Wohnzimmer. Doch der Computer ist heute wie selbstverständlich Teil unseres Alltags, das Smartphone genauso, und die Sprachassistenten auf dem besten Weg dorthin. Wir haben zum Teil gar nicht die Wahl, diese Geräte nicht zu nutzen - oder uns nicht an Orten aufzuhalten, an denen sich in der Technik auch Mikrofone verbergen.

Das wirksamste Mittel dagegen ist ein starker Datenschutz, nicht nur gegenüber den Unternehmen - sondern auch gegenüber dem Staat.

Redaktion: Willi Schlichting

Stand: 05.06.2019, 16:59