Die Luft wird dünn

Christina Schulze Föcking

Die Luft wird dünn

Von Stefan Lauscher

Gegen Christina Schulze Föcking hagelt es Kritik: Erst stand die Tierhaltung im Familienbetrieb im Fokus, dann die Auflösung einer Stabsstelle gegen Umweltkriminalität. Die Luft wird dünn für die Ministerin, kommentiert Stefan Lauscher.

Haste Scheiße am Fuß, dann haste Scheiße am Fuß. Fußballerweisheiten erzählen manchmal viel mehr vom richtigen Leben als nur vom Fußball. Christina Schulze Föcking jedenfalls, die NRW-Umweltministerin, weiß vermutlich nicht erst seit heute: Das mit der "Scheiße am Fuß", das passiert Politikern ganz genauso.

NRW-Landwirtschaftsministerin unter Beschuss

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 27.04.2018 | 02:05 Min.

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Das fing an schon wenige Tage nach der Ernennung zur Ministerin: Erst die heimlich gedrehten Videobilder aus dem Schweinestall ihres Familienbetriebs. Der Verdacht: Ausgerechnet die Tierschutzministerin nehme es damit auf dem eigenen Hof nicht ganz so genau. Schon aus der Nummer kam sie nur mit Ach und Krach raus. Dann der Hackerangriff. Jetzt die Schlagzeilen um die Auflösung der Stabsstelle Umweltkriminalität.

Nicht alles, um auch das gleich zu sagen, was da an Vorwürfen in der Welt ist, ist wirklich stichhaltig. Aber da bleibt noch ziemlich viel an (sagen wir) Merkwürdigkeiten übrig. Und wie die Ministerin damit umgeht, da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Wirre Aussagen; Widersprüche; simple Fakten, die ihr erst nach stundenlangen Fragestunden scheibchenweise zu entlocken sind. Dazu noch kleine, fiese politische Tricks (jetzt wieder, wenn sie behauptet, Journalisten hätten gar kein Interesse an kompletter Akteneinsicht gezeigt; in Wirklichkeit werden Redaktionen seit Tagen hingehalten). Sowas kann man als Zweite-Reihe-Oppositionspolitiker vielleicht mal versuchen. Aber als Ministerin einer Landesregierung geht das gar nicht.

Noch ein Fußballerspruch? Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Ich mache jetzt seit 20 Jahren landespolitische Berichterstattung. Aber dass ein Minister oder eine Ministerin schon im ersten Dreivierteljahr mit so vielen zum Teil selbstverschuldeten Negativschlagzeilen gestartet ist, an so etwas kann ich mich nicht erinnern.

Christina Schulze Föcking muss mächtig aufpassen, dass der Ministerpräsident nicht die Geduld mit ihr verliert.

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 26.04.2018, 17:56