"Fridays for future": Ein lobenswertes Engagement

Demonstration "fridays for future" (Leipzig, 18.01.2019)

"Fridays for future": Ein lobenswertes Engagement

Tausende Schülerinnen und Schüler gehen auf die Straße, um für ihre Zukunft und gegen die aktuelle Klimapolitik zu demonstrieren. Und dazu haben sie alles Recht der Welt, meint Jürgen Döschner in seinem Kommentar.

"Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann." Als im Jahr 2015 der damalige US-Präsident Barack Obama diesen Satz sagte, meinte er natürlich sich und uns, die Generation der Eltern und Großeltern. Die Generation der Autofahrer und Vielflieger, die Generation Kohle, Öl und Gas. Und, was immer deutlicher wird: Die Generation, die alles über den Klimawandel wusste, aber nicht wirklich etwas dagegen unternommen hat.

Es sind unsere Kinder, unsere nächste Generation, die die Folgen unseres Versagens bei der Klimapolitik ausbaden müssen, und die uns nun dieses Versagen vorhalten, uns mit deutlichen Worten und ungewöhnlichen Aktionen aufrütteln, auf die Füße treten und endlich eine radikale Wende fordern. Sie klettern auf Bäume, blockieren Gleise und bestreiken den Unterricht. An diesem Freitag gingen Tausende Schülerinnen und Schüler in Deutschland und anderen Staaten auf die Straße – angeregt durch die schwedische Schülerin Greta Thumberg, die aufgerufen hat, jeden Freitag für die eigene Zukunft zu streiken – Fridays for future – und immer mehr folgen diesem Aufruf, dieser Idee.

"Fridays for future": Ein lobenswertes Engagement

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 19.01.2019 | 02:23 Min.

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Richtig, Schüler haben eigentlich kein Streikrecht. Und in Baden-Württemberg hat sogar die Junge Union die Lehrer in alter Streber-Manier dazu aufgerufen, die Teilnehmer an den Aktionen "konsequent" zu bestrafen. Doch diese Schülerinnen und Schüler, die Studierenden und Auszubildenden haben alles Recht der Welt dazu, mit friedlichen, aber durchaus auch ungewöhnlichen Aktionen auf das bisherige Versagen der Verantwortlichen in der Klimapolitik hinzuweisen. Man sollte sie für ihr Engagement nicht bestrafen, sondern loben. Man sollte sie nicht argwöhnisch betrachten, sondern unterstützen.

Denn während sich die Hiobsbotschaften über Tempo und Ausmaß der Klimakrise überschlagen, der CO2-Ausstoß weltweit weiter steigt, debattieren und konferieren wir uns und unseren Planeten zu Tode. Das Heft des Handeln überlässt man seit Jahren jenen alten Männern – ob Autolobby, Kohlelobby oder Agrarlobby – die schon die Entstehung der Klimakrise maßgeblich mit zu verantworten haben. Für sie ging und geht es nur um Marktanteile und Rendite.

Für die Kinder und Jugendlichen, die jetzt auf die Straße gehen, geht es um nicht weniger als ihre Zukunft. Möge jeder selbst entscheiden, was mehr zählt.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 18.01.2019, 16:32