Dieselskandal: "Prinzip Hoffnung"

Volkswagen und Audio Dieselfahrzeuge

Dieselskandal: "Prinzip Hoffnung"

Verkehrsminister Andreas Scheuer erhöht den Druck auf die Autobauer: Den Besitzern alter Diesel-Fahrzeuge sollten attraktive Angebote zum Kauf neuer Autos gemacht werden. Das ist "ein Konjunkturprogramm für die Auto-Industrie" kommentiert Ulrich Czisla.

Jahrelang haben viele Autohersteller - allen voran VW - bei ihren Abgaswerten gelogen und betrogen. Der Verkehrsminister hat sicher recht, wenn für ihn die Diskussion um einen Ausgleich des angerichteten Schadens nicht schon nach ein paar - in der Wirkung zweifelhaften - sogenannten Software-Updates beendet sein kann.

Von den Verursachern der Misere, den großen Konzernen, muss deutlich mehr kommen als bisher. Scheuer formuliert das so: Die Hersteller seien "zwingend in der Pflicht".

Dieselskandal: "Prinzip Hoffnung"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 18.09.2018 | 02:41 Min.

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Positionen des Ministeriums sind kaum verändert

Alles prima also? Hat sich drei Jahre, nachdem die Abgas-Betrügereien in den USA aufgedeckt worden sind, endlich ein Verkehrsminister gefunden, der den Autofahrern zu ihrem Recht verhilft? Leider nein!

Lässt man sich die Vorschläge von Scheuer auf der Zunge zergehen, so wird klar, dass sich die Positionen des Bundesverkehrsministeriums kaum verändert haben. Es gilt weiter das Prinzip Hoffnung. Er spreche gerade mit den Autobauern, so Scheuer in der "FAZ", zu welchem Preis sie alte Diesel-Fahrzeuge in Zahlung nehmen könnten. Es solle - so fasst der Minister seine Verhandlungsziele zusammen - "gute Angebote" geben, vor allem Anreize zum Kauf neuer Autos.

Warum die Autokonzerne jetzt zu anderen Ergebnissen kommen sollten als in den vergangenen 36 Monaten, erklärt Scheuer leider nicht. Das beste Ergebnis seiner Vorschläge könnte ein neues Konjunkturprogramm sein. Für die Auto-Industrie, finanziert von den Autofahrern.

Keine Hardware-Umrüstung nirgendwo?

Ganz deutlich macht der CSU-Politiker, was alles nicht geht: Eine Hardware-Nachrüstung halte er für den falschen Weg, stellte er am Montag noch einmal klar. Mindestens 3.000 Euro würde das pro Auto kosten, und sei zudem auch nur bei etwa zwei Millionen der betroffenen 5,5 Millionen Dieselfahrzeuge technisch überhaupt machbar. Das Bundesumweltamt - zum Beispiel - sieht das anders: Es gebe solche belastbaren Zahlen - wie die vom Minister genannten - gar nicht, so ein Sprecher.

Und auch VW-Chef-Lobbyist Thomas Steg sagt schon einmal, was nicht geht: Ausgeschlossen sei, dass die Autokonzerne selbst die Umrüstung unternehmen und bezahlen.

Der Faktor Zeit spielt nicht allen in die Karten

So bleibt also alles beim alten: Die Hardware-Umrüstung wird es nicht geben, weil sie zu teuer ist, nicht alle betroffenen Fahrzeuge umfasst werden und vor allem niemand sie bezahlen will - der Verkehrsminister nicht, die Auto-Industrie, die betrogen hat, nicht, und die Autofahrer, die betrogen worden sind, natürlich erst recht nicht.

Und wenn es noch ein paar Jahre dauert, wird irgendwann der letzte Diesel verschrottet worden sein. Auch so können Probleme gelöst werden.

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 17.09.2018, 18:27