Sauerland als Zeuge: Keine Spur von Selbstkritik

Adolf Sauerland

Sauerland als Zeuge: Keine Spur von Selbstkritik

Der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) bleibt im Loveparade-Prozess dabei: Die Stadtverwaltung habe keine Fehler gemacht. Erst auf Nachfrage äußerte er sein Mitleid für die Hinterbliebenen. Ein Kommentar von Benjamin Sartory.

Sartory: Nichts gesehen, nichts gehört, nicht zuständig. Der frühere Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland blieb sich auch als Zeuge beim Prozess um das Loveparade-Unglück treu. Das ist bemerkenswert. Denn fast acht Jahre nach der Katastrophe haben einige eine selbstkritischere Haltung erwartet.

Alles wie immer also? Sauerland – der ewige Wegducker? Ich weiß es nicht. Denn der 62-Jährige ist während der beiden Prozesstage vom Gericht und von Nebenklägervertretern dermaßen gegrillt worden, dass man fast vergaß, dass er nur Zeuge und nicht Angeklagter ist. Trotzdem wiederholte er gebetsmühlenartig seine offensichtliche Überzeugung. Seine Verwaltung habe bei der Genehmigung der Loveparade keine Fehler gemacht. Seine Mitarbeiter demnach zu Unrecht angeklagt. 

Sauerland als Zeuge: Keine Spur von Selbstkritik

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 04.05.2018 | 02:23 Min.

Download

Vielleicht muss man das alles jetzt einfach mal so hinnehmen. Denn tatsächlich urteilt über die Schuldfrage am Ende ausschließlich das Gericht. Und es ist nicht klar, ob es diese zu Lasten der Duisburger Stadtmitarbeiter entscheiden wird.

Für viele Hinterbliebene des Loveparade-Unglücks ist Adolf Sauerland trotzdem eine Reizfigur. Sein Auftritt vor Gericht hat ihnen nicht gepasst – eben weil der Mann nicht von seiner Argumentation abrückte und auch noch zumindest am ersten der beiden Prozesstage einen erstaunlich teilnahmslosen Eindruck hinterließ.

Erst auf Nachfrage eines Nebenklägers wurde Sauerland immerhin am zweiten Tag persönlich. Er wünsche den Betroffenen viel Kraft sagte er. Und später auch, dass es ihm unheimlich leid tue für alle, die ihre Kinder verloren haben. Zu spät und irgendwie unglaubwürdig, meinte dazu eine Hinterbliebene.

Ich kann den Groll der Familien der Toten verstehen. Sauerland hat oft keine gute Figur abgegeben. Als Nicht-Betroffener steht es mir aber nicht zu, seine Worte des Bedauerns jetzt auch noch anzuzweifeln. Es bringt auch nichts, sich immer wieder an diesem öffentlichen Feindbild zu ergötzen.

Was in Sauerland vorgeht, weiß ohnehin nur er. Ich gehe ich davon aus, dass auch er seit der Loveparade sein Päckchen zu tragen hat.

Für den Prozess war die Aussage des früheren Oberbürgermeisters jedenfalls nicht besonders relevant. Entscheidend für die Schuldfrage werden andere Zeugen werden und vor allem ein noch abzuwartendes Gutachten zum Verlauf der Duisburger Loveparade-Katastrophe.

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 03.05.2018, 15:44