Nicht nur Ryanair zahlt schlecht

Flugzeug der Ryanair

Nicht nur Ryanair zahlt schlecht

Im Konflikt zwischen Cockpit und Ryanair geht es um höhere Gehälter und Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Ferdinand Klien sieht in seinem Kommentar die Verantwortung auch beim Verbraucher.

Fragwürdige Arbeitsbedingungen, rüder Umgangston mit Passagieren, rücksichtslose Streichungen von Flugverbindungen, Steuertricks: Ryanair kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Am Freitag erschien ein Großteil der rund 200 zum Streik aufgerufenen selbstständigen Piloten nicht zur Arbeit und erreichte, dass neun von 36 Flügen verspätet waren.

Die Gewerkschaften sehen das zu Recht als einen historischen Anfangserfolg, demnächst könnte auch das unterbezahlte Kabinenpersonal streiken, falls entgegen offizieller Ankündigungen Ryanair nicht zu wirklichen Tarifverhandlungen bereit ist. Doch die Probleme des irischen Billigfliegers sind vielschichtig.

Die Liste der Konflikte ist lang

Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und trotz angekündigter Gehaltserhöhungen ohne Tarifbindung gehen die Piloten lieber zur Konkurrenz, die zwar trotz Milliardengewinnen ähnlich trickst, jedoch bisher Löhne und Gehälter nur in Einzelschritten nach unten zieht.

20.000 Flüge strich Ryanair für die laufende Wintersaison, die mangelnde Beachtung der Passagierrechte rief britische Aufsichtsbehörden auf den Plan. Das nächste Konfliktfeld war eröffnet.

In Deutschland ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen der bei Ryanair üblichen Praxis, selbstständige Piloten durch Personaldienstleister vermitteln zu lassen. Es besteht der Verdacht der Steuerhinterziehung und des Sozialversicherungsbetrugs. Noch werden die Arbeitsverträge nach irischem Recht geschrieben, nicht nach dem, wo der Pilot seinen nationalen Wohnsitz hat.

Die irische Fluggesellschaft selbst hat ihren steuerlichen Sitz als Ryanair Holdings in Dublin, ein Steuerparadies im Hinblick auf die Körperschaftssteuer. Steuer- und Sozialdumping ist ein ungelöstes europäisches Problem: Zwar haben OECD, G20 und EU einen Aktionsplan angekündigt, damit die Gewinne endlich gerecht versteuert werden - eben dort, wo sie entstehen.

Doch weiterhin können Airlines, Telekommunikations-Unternehmen, Autohersteller wie Volkswagen und andere Dienstleister über die Form einer Holding dorthin ausweichen, wo die Unternehmens- und Erbschaftssteuern niedrig liegen. Die Niederlande, Luxemburg und Österreich oder Malta mit seinem Briefkastenimperium stehen auch auf dieser Liste.

Steuergerechtigkeit existiert über den Wolken nicht

Nun mag es ja vor 30 Jahren ein guter Vorsatz der EU-Kommission gewesen sein, den Wettbewerb in der Luft fördern zu wollen; Milliardensubventionen als Starthilfen eingeschlossen. Doch irgendwie vergaß Brüssel dabei die sozialen Rahmenbedingungen und eben die Steuergerechtigkeit.

Und der Wettbewerb funktioniert innerhalb Deutschlands nach der Air-Berlin-Pleite nicht mehr. Den Nachteil haben Reisende jetzt auf innerdeutschen Strecken, auch wenn Lufthansa die Preissteigerungen schönrechnet.

Die Verbraucher haben Macht

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die EU eine durch und durch neoliberale Marktentwicklung fördert. Nun will sie nachbessern: mit einer sozialen Säule bestehend aus 20 sozialpolitischen Grundsätzen. Die darin enthaltenen Formulierungen und zeitlichen Zielvorgaben sind vage und warnen zugleich vor zu hohen Sozialleistungen. 

Hier dürfte also keine Hilfe für die mies bezahlten Besatzungen von Ryanair, Eurowings, Swiss oder Easyjet kommen. Bleibt nur unsere Macht als Verbraucher, vielleicht doch nicht beim billigsten Anbieter zu buchen oder einfach mal auf einen Kurztrip verzichten.

Redaktion: Kirsten Pape

Nicht nur Ryanair zahlt schlecht

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 23.12.2017 | 03:24 Min.

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Stand: 22.12.2017, 16:42