Resistente Keime im Badesee

Eine Frau sonnt sich am 07.08.2017 am Bürgersee bei Kirchheim unter Teck

Resistente Keime im Badesee

Bei stichprobenartigen Untersuchungen von Bächen, Flüssen und Badeseen sind antibiotika-resistente Keime gefunden worden. Gesundheitsexperten sind besorgt über die Ergebnisse. Ein Kommentar von Christian Baars.

Die Weltgesundheits-Organisation, die Vereinten Nationen und auch der deutsche Bundesgesundheitsminister warnen immer wieder: Antibiotika-Resistenzen sind eine schleichende Epidemie – ähnlich wie der Klimawandel. Wir bemerken sie nicht, ehe es möglicherweise für viele zu spät ist. Schon jetzt sterben weltweit Hunderttausende Menschen jedes Jahr, weil Antibiotika versagen. Und die Zahl der Infektionen mit resistenten Erregern steigt. Wenn es so weitergeht, werden die Resistenzen sich wohl zu einer der größten Todesursachen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln. Das ist ziemlich unbestritten. Doch gleichzeitig ist vieles noch unbekannt – etwa über die Verbreitungswege dieser gefährliche Keime. Oft wissen Ärzte nicht, wo sich ihre Patienten infiziert haben - woher die Erreger stammen. Hier besteht tatsächlich noch enormer Forschungsbedarf. Wir müssen dringend mehr darüber erfahren, wie Menschen solchen Bakterien ausgesetzt werden.

Resistente Keime im Badesee

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 07.02.2018 | 02:39 Min.

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Dringender Handlungsbedarf

Doch klar ist auch: Wir dürfen nicht warten, bis vielleicht alle Fragen dieses komplexen Problems gelöst sind. Es muss jetzt parallel zu der Forschung gehandelt werden. Bislang wird noch immer zu wenig getan. Und das zeigt jetzt auch die Stichproben aus Niedersachsen. Anscheinend finden sich viel mehr multiresistente Erreger in der Umwelt als gedacht. Ärzte und Wissenschaftler sind über die Ergebnisse der Proben schockiert und alarmiert. Niemand hatte das so erwartet. Es zeigt, dass dieses Problem, bislang unterschätzt wurde. Und dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Zuständig sind die Bundesländer. Sie sollten die Gewässer stärker kontrollieren – auch darauf ob solche Erreger zu finden sind.

Kein Antibiotika im Stall

Eine weitere Maßnahme wäre es die Kläranlagen nachzurüsten. Technisch ist es möglich und auch finanzierbar. Aber der wichtigste Schritt wäre, noch stärker als bislang darauf zu drängen, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren – in den Arztpraxen, in den Kliniken – und auch in der Tiermast. Denn von dort können multiresistente Erreger etwa über Fliegen oder Gülle und Mist in die Umwelt gelangen. Und dies trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen schwer erkranken oder gar sterben. Um weniger Antibiotika im Stall zu benötigen, müssten die Haltungsbedingungen deutlich verbessert werden. Dies wäre nicht nur aus Tierschutzgründen wünschenswert, sondern auch um uns selbst zu schützen. Denn klar ist: Multiresistente Erreger können aus den Ställen über das Fleisch und anscheinend auch über die Umwelt zurück zum Menschen gelangen. Und wenn wir nicht entschlossen genug handeln, werden die Erkrankungen und Todesfälle weiter steigen, wahrscheinlich sogar extrem steigen.

Redaktion: Ulrike Römer

Stand: 06.02.2018, 17:38