Regieren statt therapieren!

Gabel steckt im roten Feld einer Torte in Deutschlandfarben

Regieren statt therapieren!

Große Koalition oder nicht? Vor dieser Frage steht die SPD. Die Jusos wollen das mit Hilfe einer Online-Petition unbedingt verhindern. Kirsten Pape hat in ihrem Kommentar dafür kein Verständnis.

Nein, ich finde nicht, dass sich die SPD in der Opposition regenerieren muss. Ich bin der Meinung, dass die Lage der Welt dramatisch genug ist, um von den Politikern, die sich haben wählen lassen, zu erwarten, dass sie uns jetzt bitte schön auch regieren! Deswegen habe ich überhaupt kein Verständnis für die Petition, in der die Jusos zur "Neuausrichtung der Sozialdemokratie und Ablehnung der großen Koalition" aufrufen. Das Scheitern von Jamaika, egozentrisch verursacht von der FDP mit ihrer völlig ungewohnten Angst vor der Macht, hat mich schon sehr geärgert.

Wenn jetzt auch die SPD kneifen sollte, erlaube ich mir zu fragen, welches Verständnis von gesellschafts- und auch weltpolitischer Verantwortung diese wichtige deutsche Partei eigentlich hat. Ja, sie schwankt zwischen ihrem Selbstverständnis als Programmpartei und ihrer historischen Identität als Staatspartei. Sie hat schwere Niederlagen zu verkraften.

Fakt ist dennoch: Eine große Koalition könnte sich auf rund 53 Prozent Zustimmung berufen. Das ist viel weniger als in den Jahren davor, aber: Es ist eine demokratisch gewählte Mehrheit.

Fakt ist auch: In jeder Regierung, egal welcher Zusammensetzung, geht es darum, Kompromisse zu finden. Das ist nun mal so. Das ist das Wesen der Demokratie. Weniger faktisch angekommen zu sein, scheint bei der ewig an sich selbst leidenden SPD und speziell ihrer Jugendorganisation, dass sich die Menschen in Deutschland schon länger endlich wieder eine große Vision – und ihre Durchsetzung! – wünschen.

Wie gelingt uns in all unserem Wohlstand ein gesellschaftliches Mit- statt Gegeneinander? Was wird aus der Versorgung unserer alten Menschen? Wie lässt sich in unserem extrem reichen Land eine soziale Gerechtigkeit herstellen, die keine Wutbürger produziert? Wie ein Einwanderungsgesetz ausgestalten? Und vor allem: Welches Wirtschafts- und Lebensmodell brauchen wir in Zeiten von Klimawandel, Artensterben und Luftverpestung, um gesund zu überleben?

Wie können wir in Europa und der Welt Zeichen setzen und Einfluss nehmen auf die Ausgestaltung einer friedlichen, gerechten und ökologischen Welt?

HALLO, SPD. Klingelt es bei euch? Habt ihr auf diesen Themenfeldern Inhalte und durchaus auch Erfolge vorzuweisen, auch wenn die in der medialen Darstellung oft vermerkelt wurden?  Macht euch an die Arbeit, übrigens gerne mit den Grünen in einer Kenia-Koalition, damit die überlebenswichtige Frage Ökologie nicht wieder ins Hintertreffen gerät.

Aber sagt, WOFÜR ihr seid, nicht wogegen, und: REGIERT MIT!

Regieren statt therapieren!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 02.12.2017 | 02:49 Min.

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Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 01.12.2017, 16:32