Rechtsaußen geht, Rechtsdrall bleibt

Archivfoto: Andre Poggenburg im Landtag (26.01.2018)

Rechtsaußen geht, Rechtsdrall bleibt

AfD-Rechtsaußen André Poggenburg gibt seine Führungsämter in Sachsen-Anhalt auf. Zum Verhängnis geworden ist ihm allerdings nicht seine radikale Gesinnung, sondern sein rhetorisches Unvermögen, meint Dagmar Pepping in ihrem Kommentar.

Einer der schlimmsten rhetorischen Brandstifter der AfD muss gehen, am zunehmenden Rechtsdrall der Partei - vor allem im Osten - ändert das aber nichts. Teile der Partei sind auf dem Wege, bald vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Da hat der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas (SPD) völlig recht.

Das Fass war übergelaufen

André Poggenburg ist ein Wiederholungstäter. "Deutschland den Deutschen", schrieb er 2017 in einer Chatgruppe der AfD Sachsen-Anhalt - ein typischer NPD-Spruch. Nicht schlimm, findet Poggenburg. Wem solle das Land denn sonst gehören, fragt er dann treuherzig. In einer Landtagsrede verunglimpfte Poggenburg Studenten, die gegen die Veranstaltung einer AfD-nahen Hochschulgruppe demonstriert hatten, als "Wucherungen am Volkskörper" - ein Begriff aus Adolf Hitlers "Mein Kampf".

Rechtsaußen geht, Rechtsdrall bleibt

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 09.03.2018 | 02:48 Min.

Download

Dass der Björn-Höcke-Vertraute nun offenbar darüber stürzt, dass er türkisch-stämmige Menschen in Deutschland als "Kameltreiber" und "Kümmelhändler" beschimpft hat, ist überfällig. Das Fass war übergelaufen, selbst im sonst so rechten Landesverband Sachsen-Anhalt.

Schlichter bis primitiver Ton

Zum Verhängnis wurden Poggenburg dabei aber nicht seine politischen Positionen. Auch nicht die interne Kritik an seinem Führungsstil oder an angeblicher Vetternwirtschaft, die zuletzt immer lauter wurde. Zum Verhängnis wurde ihm sein schlichter bis primitiver Ton.

Dem treuen Knappen von Höcke fehlte einfach das sprachliche Geschick seines Parteifreundes. Bestes Beispiel: Als Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnete, behauptete er anschließend, er habe mit Schande den Holocaust gemeint - nicht das Mahnmal. Perfide, aber geschickt argumentiert. Poggenburg hätte das nicht hingekriegt. Er musste gehen, bevor er noch mehr bürgerliche Wähler abschreckt. Nichts soll die AfD auf ihrem Weg zur Volkspartei im Osten aufhalten.  

Peinliche Reaktionen des Vorstands

Die Reaktionen aus dem AfD-Bundesvorstand auf den Rücktritt Poggenburgs sind geradezu peinlich. Diese "gute und weise Entscheidung" zeige, dass die AfD "erwachsen geworden" sei, sagt beispielsweise Parteivize Kay Gottschalk. Der Vorstand hatte Poggenburg nach dessen Aschermittwochs-Entgleisungen lediglich eine Abmahnung erteilt, mehr nicht.

Wäre die AfD tatsächlich erwachsen geworden und daran interessiert, eine bürgerlich-konservative Politik zu machen, müsste sie Repräsentanten wie Poggenburg und Höcke hochkant aus der Partei schmeißen. Und den Bundestagsabgeordneten Jens Maier gleich hinterher. Maier hatte den Sohn von Boris Becker auf Twitter als "Halbneger" bezeichnet. Dass alle drei noch in der AfD bleiben dürfen, sagt mehr als Tausend Worte.

Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 08.03.2018, 14:42