Pferde im Karneval: unkalkulierbares Risiko

Rettungseinsatz am Appellhofplatz

Pferde im Karneval: unkalkulierbares Risiko

Beim Kölner Rosenmontagszug sind bei einem Unfall mit Pferden mehrere Menschen verletzt worden. Pferde sind im Straßenkarneval Tradition - sie stellen aber ein zu großes Risiko dar, kommentiert Jochen Hilgers.

Tierschützer sagen jetzt natürlich: Das haben wir doch immer schon gewusst. Pferde in einem Karnevalsumzug sind ein unkalkulierbares Risiko. Und Traditionalisten wiederholen gebetsmühlenartig: Pferde gehören dazu. Das sei schließlich schon immer so gewesen. Beide Positionen sind Lichtjahre voneinander entfernt, der Konflikt hat Tradition. Wie ihn auflösen?

Pferde im Rosenmontagszug: Unkalkulierbares Risiko

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.02.2018 | 02:14 Min.

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Was ist, wenn sich der Verdacht erhärtet, dass ein Pferd durch den Wurf einer Bierflasche oder durch eine Steinschleuder gereizt oder verletzt wurde? Und zwar so sehr, dass es durchging und die anderen Pferde mitriss. Dann werden die Traditionalisten sagen, ok, ein Sonderfall. Die Schuld liegt bei dem einen Zuschauer, der vorsätzlich Mensch und Tier gefährdet. Und Schwerverletzte, wenn nicht Tote, in Kauf nimmt. Und die Traditionalisten werden keinen Grund sehen, Pferde aus dem Verkehr zu ziehen. Das aber greift leider zu kurz.

Rettungseinsatz am Appellhofplatz

Rettungseinsatz nach dem Pferde-Unfall

Denn eine Million Zuschauer am Zugweg sind nicht lückenlos zu kontrollieren, Flaschenwürfe oder Steinschleuder-Attacken auf Pferde nicht ohne Restrisiko zu unterbinden. Wer die geschockten Augenzeugen des Unglücks gesehen hat, die in großer Zahl psychologisch betreut werden mussten oder weinende Husaren, die vor dem verunglückten Wagen marschiert waren, der kommt ins Zweifeln, ob Pferde nicht doch ein zu großes Restrisiko darstellen. Egal, wie gut sie auf die Aufgabe vorbereitet wurden.

Und damit muss ich an dieser Stelle NRW-Innenminister Herbert Reul vehement widersprechen. Der äußerte kurz nach dem Unglück: Ein Rosenmontagszug ohne Pferde sei Mist. Ein Zug ohne Pferde sei für ihn undenkbar. Mit allem Respekt, Herr Innenminister: So ein politischer Schnellschuss ist Mist. Reul blendet die Komplexität des Themas völlig aus, wartet noch nicht einmal die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen ab und wird zudem den Opfern des Unglücks nicht gerecht.  Das ist schwach und blendet zudem aus, dass der Zwischenfall gestern der letzte einer längeren Serie ist.

Auch wenn es Mist ist, Herr Reul: Nach gestern haben Pferde im Zug nichts mehr zu suchen. Auch, wenn ein hirnverbrannter Chaot das Unglück ausgelöst haben mag.

Stand: 13.02.2018, 08:42