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Frankreich verteuert Flüge: "Gut so!"

Passagiere auf dem Flughafen Paris, im Hintergrund ein Air-France-Flugzeug

Frankreich verteuert Flüge: "Gut so!"

Frankreich will zukünftig pro Flugticket eine Ökosteuer erheben. Das dürfe gerne beherzte Nachahmer finden, meint Hendrik Buhrs in seinem Kommentar.

Die neue Steuer in Frankreich bringt ein Stückchen Fairness zurück in die Flugzeuge. Dort geht es nämlich alles andere als gerecht zu – und ich spreche nicht mal vom Vorgedrängel beim Check-In, Abflug um 4 Uhr morgens oder anderen Ärgernissen. Nein, hier soll es ums schnöde Geld gehen. Der französische Staat hält ab dem kommenden Jahr stärker die Hand auf und berechnet pro Flugticket zwischen 1,50 Euro und 18 Euro mehr, als Ökosteuer. Und ich finde das richtig. Oder très bien.

Der Flugverkehr ist nämlich ganz vorne dabei, wenn es um unfaire Bevorzugung geht. Aufs Flugbenzin fällt keine Steuer an, weil man – kein Witz – das vor 75 Jahren mal so festgelegt hat. Mehrwertsteuer gibt’s übrigens bei internationalen Flügen auch keine. Beim Straßenverkehr und auf der Schiene fallen dagegen sowohl Mehrwertsteuer wie auch Steuern auf den Sprit beziehungsweise den Bahnstrom an. Und das, obwohl beide Verkehrsmittel umweltfreundlicher sind als der Flieger. Der Handel mit CO2-Rechten, also mit Zertifikaten für den klimaschädlichen Ausstoß von Kohlendioxid, funktioniert beim Flugverkehr bisher nicht, und eine Verschärfung ist erst für das Jahr 2027 geplant. Zudem halten Umweltschützer auch das neue Zertifikate-System für unzureichend. Der Flugverkehr hat sich seit den 90er Jahren verdoppelt. Wenn sich nichts ändert, fliegt die nächste Generation nochmals doppelt so viel.

Frankreich verteuert Flüge: "Gut so!"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 10.07.2019 02:51 Min. Verfügbar bis 08.07.2020 WDR 5 Von Hendrik Buhrs

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nun ziemlich geschickt vorgegangen. Eine Kerosinsteuer für Fluggesellschaften wäre nämlich im Detail ziemlich vertrackt gewesen. Weil man nur das Auftanken besteuern kann - und zwar im eigenen Land - müssen eigentlich alle anderen Staaten rundum mitziehen. Sonst droht eine Art „Tanktourismus“ – möglichst viel Kerosin würde aus Ländern mitgebracht, die weiterhin steuerfrei blieben.

Wenn es also nicht mit dem Florett geht, denkt sich die französische Regierung, nehmen wir den Holzhammer und verteuern einfach das einzelne Flugticket. Keine französische Erfindung, es gibt einige Vorbilder, Deutschland macht unter dem Namen "Luftverkehrsabgabe" seit Anfang des Jahrzehnts Ähnliches, sogar mit höheren Summen. Während das hierzulande eingenommene Geld aber in den allgemeinen Staatshaushalt fließt, plant Frankreich für die neue Abgabe eine Zweckbindung. Die Einnahmen sollen in umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Bahn fließen. Eine ältere Variante der französischen Flugticketsteuer erbringt übrigens Geld, um damit HIV und andere Krankheiten in Entwicklungsländern zu bekämpfen.

Die Holzhammer-Methode ist unter Steuerfachleuten beliebt: eine ganz einfache Steuerregel ohne besondere Schlupflöcher. Denn wenn man die beiden Ziele hat, Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bringen oder andernfalls zumindest einen Batzen Geld einzutreiben, sollte man als Staat einfach zugreifen. Fliegen ist kein heiliges Recht, wie es die Branche immer wieder gern andeutet. Ja, höhere Steuern treffen auch den Gelegenheitspassagier, der seinen Kindern endlich einen Strandurlaub gönnen oder die kranke Tante in Amerika besuchen will. Aber viel wichtiger: sie treffen die pervers günstigen Wochenendtrips ans Mittelmeer. Oder Fernpendler, die mit ihrem Lebensstil anderen Menschen Krach und Abgase bescheren. Macrons Steuer darf gerne beherzte Nachahmer finden, denn für mehr Fairness ist durchaus Platz am Himmel.

Redaktion Brigitte Simnacher

Stand: 09.07.2019, 14:50