Kommentar zum Hambacher Forst: Das Symbol gegen Regierungen

Kommentar zum Hambacher Forst: Das Symbol gegen Regierungen

Von Christoph Ullrich

Fast 80 Prozent der Menschen in NRW sind gegen die Rodung des Hambacher Forsts. Und Union wie SPD rutschen in den Umfragen weiter ab. Die Folgen einer Missachtung der Wählerinteressen. Ein Kommentar.

Es ist historisch wohl schon lange nicht mehr vorgekommen, dass das Wochenende einer Landesregierung derart desaströs gelaufen ist. Da ist am Freitag (05.10.2018) der Rodungsstopp für den Hambacher Forst durch das OVG Münster, die von Gerichten dann doch erlaubte Demo. Einen Tag später ziehen deshalb 50.000 Menschen an den Rand des Braunkohletagebaus, um gegen die Klimapolitik zu demonstrieren.

Nicht mal im Ansatz Akzeptanz

Und dann noch die Umfrage des WDR, die man einfach nur noch als Klatsche für die Landesregierung aber auch den Tagebaubetreiber RWE sehen kann: 80 Prozent der Menschen sind gegen die Rodung. Fragt man unter Anhängern der regierenden CDU sind es noch ganze 71. Die Regierung um Armin Laschet (CDU) hat die Stimmung im Land fatal verkannt. Sie hat versucht, eine Rodung durchzudrücken, mit tausenden an Polizisten, die nicht mal im Ansatz eine Akzeptanz hatte.

CDU und SPD im Sinkflug

All das in einer Phase, in der die Zustimmung für die Union in ganz Deutschland nur noch den Sinkflug kennt. Wo die Menschen der Großen Koalition überdrüssig sind. Die Folge ist klar: Fast niemand traut Armin Laschet zu, Kanzlerin Merkel (CDU) zu beerben, in NRW würden nur noch 28 Prozent die CDU, den Wahlgewinner von 2017, wählen. Auch die SPD - obwohl nicht an der Landesregierung beteiligt - rutscht weiter ab. 21 Prozent sind die kümmerlichen Reste im vermeintlichen Stammland der Sozialdemokratie.

Grüne sind die Gewinner, in NRW, in Bayern und im Bund

Christoph Ullrich

Christoph Ullrich

Der Gewinner? Nicht die AfD, sondern die Grünen. Sie haben in all dem Trubel der Politik ihren Kurs gehalten, stehen nun auch in Nordrhein-Westfalen vor berauschenden Ergebnissen, würde man den Landtag neu wählen. Ein Trend, den man auch im Bund beobachten kann, auch bei der anstehenden Wahl in Bayern. Die Politik in Deutschland ist in Bewegung.

Weiter am Wählerwillen vorbei?

Die Leute sind die Große Koalition in Berlin satt, viele davon auch schlicht Kanzlerin Angela Merkel. Und hinzu kommen Umwelt-Themen, die eine größere Rolle spielen, als die ewige politische Hysterie um Migration und Flucht. Es wird spannend zu sehen sein, ob die einstigen Volksparteien der Union und der SPD ihre Lehren daraus ziehen, oder weiter stramm an den wirklichen Interessen ihrer Wähler vorbei laufen.

Stand: 07.10.2018, 20:00