Live hören
Jetzt läuft: Day dreamer von Donavon Frankenreiter

5G-Versteigerung: Wer nicht will, braucht auch nicht bieten

Mobilfunkmast

5G-Versteigerung: Wer nicht will, braucht auch nicht bieten

Die 5G-Versteigerung kostet die Netzbetreiber 6,6 Milliarden Euro. Viel zu viel stöhnen die Unternehmen, sie hätten kein Geld mehr für den Netzausbau. Das ist heuchlerisch, kommentiert Johannes Zuber. Wer auf 5G-Lizenzen biete, müsse auch 5G-Netze aufbauen.

5G Versteigerung: Wer nicht will, braucht auch nicht bieten

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 14.06.2019 02:49 Min. Verfügbar bis 12.06.2020 WDR 5 Von Johannes Zuber

Download

Telekom, Vodafone und Telefonica haben sich beim Wettbieten nicht zurückhalten können. Und jetzt versuchen sie, sich das Geld hintenrum wiederzuholen. Sie betonen bei jeder Gelegenheit, dass durch die hohen Auktionserlöse für den Bund das Geld für den Netzausbau fehle. Und das der Bund doch bitte helfen solle. Das ist heuchlerisch – aus mehreren Gründen.

Erstens weil niemand die Unternehmen gezwungen hat, sich monatelang gegenseitig zu überbieten. Weder die Bundesregierung noch die Bundesnetzagentur. Die Auktion war sogar so angelegt, dass sich die Bieter relativ einfach hätten einigen können. So wie es in früheren Auktionen auch schon passiert ist. Das wollten sie aber wohl nicht. Und wozu? Am Ende sieht die Verteilung der Frequenzbereiche ungefähr so aus, wie sie schon vor Wochen ausgesehen hat. Nur dass die Kosten damals halb so hoch waren. Anstatt sich damals zu einigen, haben sich die vier Unternehmen immer weiter gegenseitig überboten – bis alle deutlich mehr Geld ausgeben mussten, als sie eigentlich wollten.

Zweitens ist es falsch zu behaupten, dass die 6,5 Milliarden jetzt nicht in den Breitbandausbau auf dem Land fließen könnten. Denn das tun sie! Die Einnahmen aus der Auktion landen in einem Fonds, mit dem unter anderem der Breitbandausbau gefördert wird. Und von besseren Glasfasernetzen profitiert auch der 5G-Ausbau – denn die Antennen müssen zwingend ans Glasfasernetz angeschlossen werden, damit die vielen mobilen Daten auch weitergeleitet werden können. Dass ein solcher Fonds nötig ist, liegt übrigens an den Netzbetreibern selbst. Denn die bieten auf dem Land einfach keine flächendeckende Versorgung. Nicht weil sie kein Geld hätten. Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland machen seit Jahren Milliardengewinne. Nein, sie bauen die Netze auf dem Land nicht aus, weil es sich finanziell nicht lohnt. Unternehmen investieren nur, wenn sie sich davon einen Profit erhoffen. Und weil sie den von einer Versorgung in dünn besiedelten Gebieten nicht erwarten, investieren sie da auch nicht. Das würde sich auch nicht ändern, wenn sie 6,5 Milliarden Euro mehr auf dem Konto hätten.

Und drittens ist die Kritik an der Auktion heuchlerisch, weil die Bedingungen von Anfang an klar waren. Wer auf 5G-Lizenzen bietet, muss auch 5G-Netze aufbauen. Das sollte die Unternehmen eigentlich nicht überraschen. Genauso wie die Bedingung der Bundesnetzagentur, endlich die bisher unterversorgten ländlichen Gebiete mit schnellem mobilen Internet zu versorgen. All das kostet Geld, schon klar. Aber das wussten die Netzbetreiber schon vorher.

Wir sollten also nicht auf das Gejammer von milliardenschweren Unternehmen hereinfallen, die sich ihre Ausgaben über Fördergelder wieder reinholen wollen. Vor allem nicht, nachdem sie mit im internationalen Vergleich schlechten Netzen und gleichzeitig extrem hohen Tarifen jahrelang satte Gewinne gemacht haben. Jetzt müssen sie einen Teil davon eben investieren. Wenn sie das nicht wollen, hätten sie eben nicht mitbieten dürfen.

Redaktion: Sebastian Moritz

Stand: 13.06.2019, 16:12