Live hören
Jetzt läuft: Sommer gerettet von Clara Louise

Luftverkehr: Optimierung ist nicht alles

Unzählige ondenzstreifen am Himmel

Luftverkehr: Optimierung ist nicht alles

Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist überlastet. Entlastung dauert. Doch bei allen Optimierungsbemühungen stelle sich die Frage, wie sinnvoll es sei, immer mehr Passagiere durch die Luft zu befördern, meint Jörg Pfuhl in seinem Kommentar.

Der erste Härtetest kommt schon an Ostern. Dann werden wir sehen, ob die vielen kleinen Anstrengungen etwas gebracht haben. Hier ein Reserveflugzeug mehr, dort eine neue Überholspur für den check-in; hier ein paar Minuten Zeitpuffer, dort ein paar zusätzlich Mechaniker. Alle Beteiligten, von Airlines über Lotsen bis zu Flughäfen, puzzeln in ihren Ecken, ziehen und strecken wo es geht – sie optimieren im Rahmen des Bestehenden.

Aber das ist auch der Punkt: Die deutsche Infrastruktur ist auf Kante genäht, da ist nicht mehr viel raus zu pressen an Effizienz. Und alles andere dauert. Die Ausbildung neuer Fluglotsen: drei bis vier Jahre. Mehr Verkehr auf die Schiene: noch viel länger. Ganz besonders zäh ist alles, worin Behörden involviert sind. Über den „single european sky“, den einheitlichen europäischen Luftraum wird seit 20 Jahren geredet, aber weder wollen sich Franzosen in ihre militärischen Sperrgebiete reinreden lassen - noch deutsche Fluglotsen ihre Kleinstaaterei aufgeben. Und wenn Flugzeuge am Boden bleiben, weil an den Sicherheitskontrollen gestreikt wird, dann wäscht die eigentlich zuständige Bundespolizei ihre Hände in Unschuld: Den Job hat man eben an Private ausgelagert.

Luftverkehr: Optimierung ist nicht alles

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 29.03.2019 02:35 Min. WDR 5 Von Jörg Pfuhl

Download

Es sind aber nicht nur Gewinnstreben, nationale Eigeninteressen oder Behördenträgheit, die das System Luftverkehr an seine Grenzen stoßen lassen. Es sind auch wir alle, die wir immer mehr fliegen und dabei wie selbstverständlich verlangen, dass alles funktioniert – schließlich haben wir doch bezahlt! In den vergangenen 25 Jahren hat sich der Luftverkehr in Deutschland verdreifacht. Weltweit soll er sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln. Dass die Infrastruktur da mithalten kann, das mögen Autokratien wie China, die Türkei oder die Golfstaaten hinkriegen. Hier dagegen ist in keiner einzigen deutschen Großstadt mehr eine neue Startbahn durchsetzbar. Der letzte Versuch war in München, weit draußen vor den Toren der Stadt – er ist gerade erst krachend gescheitert.

Am Ende stellt sich also nicht nur die Frage, wie wir das bisherige System optimieren, um mehr Passagiere pünktlich und preiswert von A nach B zu fliegen. Sondern es stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll es ist, immer mehr Passagiere durch die Luft zu kutschieren. Der Flugverkehr wächst so rasant, weil er so günstig ist. Müssten Airlines nur die gleichen Steuern zahlen wie Auto- und Bahnfahrer – also Steuern auf Benzin oder Mehrwertsteuer auch auf internationale Tickets, dann wäre schon einiges gewonnen – wenn auch vielleicht der eine oder andere Billigflug verloren.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 28.03.2019, 16:26