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"Fall Lügde lenkt Augenmerk auf Missstände"

 Polizeiabsperrung auf dem Campingplatz Eichwald in Lüdge, 31.01.2019

"Fall Lügde lenkt Augenmerk auf Missstände"

Von Daniela Junghans

NRW-Familienminister Joachim Stamp hat Ideen vorgestellt, wie Kinder besser vor sexualisierter Gewalt beschützt werden sollen. Das kann nur ein Anfang sein, kommentiert Daniela Junghans.

Eine Fachstelle, die sich landesweit um bessere Beratung, Prävention und Qualitätsstandards kümmern soll. Und ein Interventionsteam, das Kommunen um Hilfe bitten können, wenn sie bei Fällen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder Unterstützung brauchen. Das ist auch schon fast alles, was NRWs Familienminister Joachim Stamp da an Konkretem vorgestellt hat. Nicht viel, aber es ist ein Anfang, immerhin.

Der Fall Lügde hat uns alle betroffen gemacht, er hat aber auch unser Augenmerk auf Missstände gelenkt. Wir wissen heute, es gibt eine Menge Probleme: überlastete Jugendämter, unzureichende Fachaufsicht, rechtliche Fallstricke, und vieles mehr. Es muss also dringend etwas verändert werden.

Vor einigen Wochen gab es im Landtag eine große Anhörung, bei der Experten aus der Praxis berichteten und viele verschiedene Reformvorschläge hatten: eine bessere Ausbildung zum Thema Kinderschutz für angehende Richter, Psychologen, Jugendamtsmitarbeiter. Eine Reform der Jugendämter: maximal 35 Fälle pro Betreuer, vielleicht auch weniger Jugendämter, die dafür größer sind. Ein besserer Austausch von Kinderärzten über mögliche Problemfälle. Ein stärkerer Einsatz von Videotechnik zur Befragung von jungen Opfern. Und die Einrichtung eines landesweiten Kinderschutzbeauftragten. All das klingt auf den ersten Blick vernünftig und sinnvoll.

Doch diese Ideen sind gar nicht so leicht umzusetzen, denn beim Kinderschutz entscheidet nicht nur der Familienminister, es sind viele Ressorts beteiligt. Und auch nicht nur im Land, eigentlich reden fast alle mit: die Kommunen und Kreise, denn es sind ihre Jugendämter. Aber auch noch der Bund. Denn es müssen im Zweifelsfall Gesetze geändert werden, zum Beispiel, wenn es darum geht, strenger zu definieren, wer Pflegekinder aufnehmen darf und wer nicht.

NRW hat jetzt einen Katalog mit vielen wichtigen Ideen erstellt, einen Überblick also. Das kann nur der Anfang sein. Der nächste Schritt muss ein ressortübergreifendes Handlungskonzept sein, in dem klar festgelegt ist, was die einzelnen Ministerien des Landes jeweils ändern wollen und wie schnell. So ein Konzept zu erstellen dauert sicher etwas. Aber das Thema gehört zu den wichtigsten, die es aktuell im Land gibt, der Erwartungsdruck ist groß. Allzu lange sollte sich die Landesregierung also nicht mehr Zeit lassen!

Redaktion: Patrick Fina

"Fall Lüdge lenkt Augenmerk auf Missstände"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 19.07.2019 02:25 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 WDR 5 Von Daniela Junghans

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Stand: 18.07.2019, 18:08