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Fußball: "Formschwacher Bundestrainer "

Joachim Löw

Fußball: "Formschwacher Bundestrainer "

Bundestrainer Löw entlässt drei Leistungsträger aus dem Nationalteam. Die Verbannung der Spieler wirke wie Aktionismus, meint Martin Roschitz in seinem Kommentar.

Von allen Möglichkeiten hat Joachim Löw die schlechteste gewählt. Direkt nach der verkorksten WM wäre ein radikaler Schnitt im Kader der Nationalelf nachvollziehbar, konsequent und sinnvoll gewesen. Auch im vergangenen November nach dem Abstieg in der Nations League hätte Löw den Umbruch weiter vorantreiben können, sogar in Absprache mit den drei jetzt aussortierten Bayern-Stars.  Er hätte einen Rücktritt nahelegen, ihnen wie seinerzeit Schweinsteiger und Podolski einen würdigen Abschied ermöglichen können. Die Chance wäre dagewesen beim ersten Testspiel 2019 gegen Serbien in Wolfsburg. Doch Joachim Löw präsentiert sich seit geraumer Zeit mindestens so formschwach wie Hummels, Müller und Boateng bei der WM.

"Ich bin ein Visionär" - diesen im Nachhinein entlarvenden Satz sagte Löw vor dem Turnier 2018. Auf der schattigen Terrasse des Trainingslager-Quartiers in Südtirol. In der Wohlfühloase umgeben von Weinbergen blitzte sie auf - die tiefe Selbstzufriedenheit des Bundestrainers. Erfolg macht träge. Das gilt für Spieler wie für Trainer. Vor fast 5 Jahren in Brasilien war Löw auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Mit unglaublicher Energie und Akribie formte Löw die Weltmeister-Mannschaft. War Motivator. Mentor. Moderator. 

Seine Linie hat er längst verloren. Als Visionär hätte er bereits vor der WM in Russland erkennen müssen, dass er auf die satten Leistungsträger von 2014 nicht mehr bauen kann. Doch selbst nach dem historisch schlechten Abschneiden im vergangenen Sommer kam nach fünf Wochen Bedenkzeit statt einer Reform nur ein "Reförmchen" heraus. Löw verzichtete neben den zurückgetretenen Özil und Gomez zunächst nur auf Khedira. Und ließ ihm sogar eine Hintertür offen mit den Worten: "Wir werden zu gegebener Zeit weiter sprechen. Seine Leistung wird entscheidend sein."

Das Leistungsprinzip hat Löw allerdings selbst abgeschafft, indem er seinen Kapitän Manuel Neuer bei der WM zur Nummer 1 gemacht hat, obwohl Neuer zuvor über ein Jahr lang kaum gespielt hatte.

Von einem möglichen Comeback in der Nationalelf ist bei Müller, Hummels und Boateng nun keine Rede. Wenn sie aktuell nicht zu den besten Spielern des Landes gezählt werden, müssen sie das natürlich akzeptieren. Allerdings wirkt der Zeitpunkt willkürlich und die endgültige Verbannung der Spieler wie Aktionismus. Als wolle der zuletzt heftig kritisierte Löw nun aller Welt beweisen, dass er doch in der Lage ist, die nötigen Reformen im DFB-Team einzuleiten und durchzusetzen.

Damit hat er sich aufs Drahtseil gewagt. Löw setzt auch seine eigene Zukunft aufs Spiel. Denn sollte es gleich beim ersten Spiel in der EM-Qualifikation in den Niederlanden eine Niederlage geben und die Bayern weiter gute Leistungen bringen in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League,  wird die Bundestrainer-Rücktrittsdebatte aus dem vergangenen Sommer wieder aufflammen.

Wegen seiner anhaltenden Formschwäche könnte es Joachim Löw bald auch so gehen wie Hummels, Boateng und Müller. Dann wäre auch für den Weltmeister-Trainer endgültig Schluss im DFB-Team.

Fußball: "Formschwacher Bundestrainer "

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 08.03.2019 03:10 Min. Verfügbar bis 07.03.2020 WDR 5

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Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 08.03.2019, 09:42