Gute Bildung: Nationale Aufgabe!

Gute Bildung: Nationale Aufgabe!

Eine internationale Studie entlarvt die schlechten Leseleistungen von Viertklässlern. Schuld an dem schlechten Ergebnis ist auch das Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern, kommentiert Julia Barth.

Schüler und Lehrer in einem Klassenzimmer

Es ist ja längst nicht das erste Mal, dass mehr als zerknirschte Bildungspolitiker auf dem Podium sitzen, wenn mal wieder ein neues Ranking vorgestellt wird. So schuldbewusst wie ratlos gestehen sie in regelmäßigen Abständen großen Handlungsbedarf ein. Und dann passiert - genau - so gut wie nichts. Jedenfalls nichts, was die Lage grundlegend verbessern würde.

Fast jeder fünfte Viertklässler in Deutschland kann nicht richtig lesen. Und in kaum einem anderen Land entscheidet die soziale Herkunft so stark über den Bildungserfolg - nach wie vor und immer deutlicher. Traurig ist das. Und vermeidbar. Ja, die zunehmende Inklusion und der gestiegene Anteil ausländischer Schüler machen es für Lehrer deutlich schwieriger, jedes Kind auf dem Level abzuholen, wo es Förderung braucht.

Umso dringender bräuchten wir deshalb besonders gut qualifizierte Lehrer und gute Konzepte, die nicht in jedem zweiten Ort neu erfunden werden müssen. Und wenn das Bundesbildungsministerium vorrechnet, dass es in 16 Bundesländern 25 oder mehr unterschiedliche Projekte zur Förderung von Sprachkompetenz gibt, aber nahezu keins davon auf Erfolg, Sinnhaftigkeit und Nutzen ausgewertet wird - dann ist das nur ein Beispiel dafür, wie uneffektiv unsere zerfledderten Verantwortlichkeiten sind.

Ein weiteres Beispiel ist, dass Niveau und Anforderungen innerhalb Deutschlands zum Teil abenteuerlich auseinander klaffen. Leiden tun darunter zum Beispiel Kinder, deren Eltern für den Job sagen wir von Bremen nach München umziehen müssen. Denn die werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Klasse wiederholen müssen, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengen.

Gute Bildung ist eine nationale Aufgabe und darf sich nicht mehr im Kleinklein des Kompetenzgerangels zwischen Bund und Ländern verlieren. Ich habe noch keinen guten Grund dafür gehört, warum eine Methode Schüler in Oberammergau weiterbringen kann, für Schüler in Everswinkel aber gänzlich ungeeingnet sein soll. Warum das Konzept, das eine Klasse mit besonders hohem Ausländeranteil in Berlin zum Vorzeigeprojekt macht, nicht auch in Duisburg funktionieren sollte.

So lange die Länder hoheitlich über die Schulen entscheiden, so das Argument der Kultusministerkonferenz, fördert das die Konkurrenz und ermöglicht es voneinander zu lernen. Dazu aber haben alle Beteiligten jetzt wirklich ausreichend Gelegenheit gehabt. Verbessert hat es nichts. Um die Dauerbaustellen im Bildungssystem loszuwerden, braucht es eine grundlegende, mutige Reform. Und die muss zentral organisiert und damit auch zentral verantwortet werden.

Gute Bildung: Nationale Aufgabe!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 06.12.2017 | 02:38 Min.

Download

Redaktion: Patrick Fina

Stand: 05.12.2017, 17:46