Gewalt gegen Lehrkräfte - Tabu brechen

Schüler im Klassenzimmer bewerfen die Lehrerin mit Papierbällen

Gewalt gegen Lehrkräfte - Tabu brechen

Sie werden von Eltern beschimpft, im Internet diffamiert oder belästigt und von Schülern im Unterricht bedroht: Die Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer hat zugenommen, so eine Studie unter Schulleitern. Leo Flamm kommentiert.

Gewalt gegen Lehrer an Schulen – gibt’s die wirklich? Ich glaube schon! Aber wahrscheinlich nicht so, wie es die Schlagzeile des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) erstmal nahelegt. Ich glaube nicht, dass an jeder dritten Schule im Land Lehrer von Schülern verprügelt werden. Für Nordrhein-Westfalens Schulen haben sich in der Untersuchung nur 250 Schulleitungen geäußert – von insgesamt 5500 Schulen. Das mag die Umfrage angreifbar machen, zielt aber dennoch in die richtige Richtung.

Der Schulalltag sieht anders aus. Der VBE-Chef hat die Situation auf die Formel gebracht: Der Ton in der Gesellschaft ist rauer geworden – dementsprechend auch in den Schulen. Das trifft die Situation eher. Und dass dagegen etwas unternommen werden muss, ist völlig richtig.

Hilferuf an die Gesellschaft

Schubsen, Treten, Faustschläge, physische Gewalt gegen Lehrer, das alles geht gar nicht. Hinzu kommt psychische Gewalt: Beleidigungen, Drohungen, Mobbing im Netz – das ist die andere Seite, die viel mit Autoritäts- und Ansehensverlust von Lehrkräften zu tun hat. Hinzu kommen in der Tonlage übergriffige Eltern, die bei der kleinsten Kleinigkeit mit dem Rechtsanwalt drohen oder ihn einschalten. Die Untersuchung des VBE dazu ist ein Hilferuf, der sich an Politik und Gesellschaft wendet.

Auch wenn es zu den festgestellten Übergriffen keine Statistik gibt: Es tut offenbar not, auf diesen im Schulalltag festgemachten Trend aufmerksam zu machen. Es darf in der Tat nicht sein, dass mehr Gewalt an Schulen achselzuckend mit dem Hinweis aufs Berufsrisiko abgetan wird.

Tabu brechen

Der Verband fordert insgesamt mehr Lehrer und vor allem Schulsozialarbeiter. Nur so könnten bestehende Präventionsprogramme gegen Gewalt in den Schulen pädagogisch umgesetzt werden. Und außerdem brauche es mehr Rückhalt, auch juristischer Art, durch die Schulaufsicht und den Arbeitgeber, das Schulministerium. Schulleitungen und Lehrkräfte fühlen sich offenbar zunehmend überfordert von aggressiven Schülern und Eltern und ihren Anfeindungen. Die Politik, das Schulministerium, darf sie dabei nicht allein lassen. Wenn Gewalt gegen Lehrkräfte tatsächlich zum Alltag an den Schulen gehört, ist es ist richtig, dieses Tabu zu brechen, darüber zu reden und zu handeln.

Gewalt gegen Lehrkräfte

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 03.05.2018 | 02:17 Min.

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Redaktion: Patrick Fina

Stand: 02.05.2018, 18:32