Debatte um verkaufsoffenen Sonntag

Weihnachtlich dekoriertes Shopping-Center

Debatte um verkaufsoffenen Sonntag

Mal dürfen die Geschäfte am Sonntag öffnen, mal nicht, so wie aktuell in Wuppertal, wo an diesem Sonntag eigentlich verkaufsoffen sein sollte. Dabei könnte es so einfach sein: öffnen, meint Patrick Raulf in seinem Kommentar.

Am kommenden Sonntag bleiben die Geschäfte in Wuppertal also nun doch geschlossen. Wegen des Schutzes der Sonntagsruhe, so das Verwaltungsgericht Düsseldorf. In mehreren Düsseldorfer Stadtteilen dagegen darf an genau diesem Tag geöffnet werden – weil die Klage gegen die Öffnung zu spät kam. Wir sehen: Der Schutz der Sonntagsruhe ist im Zweifel vor allem Begründungssache – und äußerst fragwürdig.

Wir klagen seit Jahren über leerstehende Ladenlokale in unseren Innenstädten, weil sich das Geschäft dort nicht lohnt, und wir klagen gleichzeitig über den Online-Handel, der die Umsätze von Händlern vor Ort schmälert.

Und die Online-Händler reiben sich die Hände. Denn am Sonntag mit all seinen geschlossenen Läden machen sie den meisten Umsatz. Sonntagsgeschäft, kein Problem.

Und wie halten wir es sonst mit dem Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe? Wir fahren gerne in die ausländische Grenzregion oder in ein benachbartes Bundesland zum Shoppen.

Das Konsumentenverhalten ist also schon recht eindeutig – gegen die Sonntagsruhe. In einer Umfrage aus dem Frühsommer dieses Jahres sprachen sich 61 Prozent der Befragten dafür aus, dass Händler selbst darüber entscheiden sollten, ob sie sonntags öffnen oder nicht.

Warum auch nicht? Unter den Händlern besteht hier keine Einigkeit. Einige argumentieren, sie könnten so eher Neukunden gewinnen und sich besser gegen den Online-Handel behaupten – andere halten dagegen: Es belaste Mitarbeiter über Gebühr, und mehr Umsatz mache man auch nicht, der verteile sich nur anders.

Überlassen wir es doch den Unternehmen selbst. Sie können entscheiden, ob sie es ihren Mitarbeitern zumuten können und wollen, auch sonntags zu arbeiten. Falls es sich finanziell nicht lohnen sollte, können sie es bei der Sonntagsruhe belassen.

In vielen Branchen ist Sonntagsarbeit mittlerweile üblich – auch bei uns Journalisten. Für viele also Alltag. Mit dem Einzelhandel trifft es aber natürlich eine Branche, in der die Arbeitsbedingungen mitunter sehr schwierig sind. Aber hilft hier das Arbeitsverbot am Sonntag?

Viel wichtiger ist doch etwas Anderes: Anstatt vor Gericht immer wieder gegen einzelne verkaufsoffene Sonntage vorzugehen, sind Gewerkschaften und Gesetzgeber gefragt, die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel generell zu verbessern. Denn Dumpinglöhne und Arbeitsverdichtung finden dort auch bisher schon statt – und zwar an sechs Tagen in der Woche.

Debatte um verkaufsoffenen Sonntag

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 01.12.2017 | 02:29 Min.

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Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 30.11.2017, 17:42