NRW-SPD: "Akt der Rebellion"

Thomas Kutschaty, 24.04.2018

NRW-SPD: "Akt der Rebellion"

Die NRW-SPD ist für Überraschungen gut. Nach der Wahlniederlage hatten die alten Partei-Oberen ein fein austariertes neues Führungstableau aufgestellt. Die mächtige SPD-Fraktion erteilte diesem Alleingang nun eine Absage. Ein Kommentar von Wolfgang Otto.

Personalpolitik wurde in der NRW-SPD seit Jahrzehnten ja so gemacht: Die alten Hasen hocken sich zusammen, wägen Regional-Proporz, Frauen-Quote, Alter und Flügel-Zugehörigkeit der zur Verfügung stehenden Kandidaten ab und präsentieren ein fein austariertes Personal-Tableau, das dann von Partei und Fraktion abgesegnet wird. So lief das bisher fast immer. Bis heute.

NRW-SPD: "Akt der Rebellion"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 25.04.2018 | 02:29 Min.

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Heute stimmte die SPD-Fraktion gegen den Strich. Der Favorit fiel durch, gewählt wurde der vermeintliche Außenseiter. Es war ein Akt der Rebellion, ein Aufstand gegen die Art und Weise wie Personalentscheidungen seit Jahrzehnten in der SPD vorbereitet und gefällt wurden. Marc Herter hatte dabei das Pech, Favorit der alten Partei- und Fraktionsführung zu sein. Das war gleichzeitig das Glück von Thomas Kutschaty, der die Rolle des Aufmüpfigen gegen das Partei-Establishment übernommen hatte. Diese emotionale Druckentladung musste wahrscheinlich sein.

Neue Debatten- und Streitkultur

Nach all den Niederlagen, dem Personal-Verschleiß, dem Hin und Her in Düsseldorf und Berlin wollten viele SPD-Abgeordnete mal ein Zeichen setzen. Darauf müssen jetzt aber auch Taten folgen. Gerade die demoralisierte SPD an Rhein und Ruhr, die so luftdicht verschlossen wirkt, muss ihren Politikstil ändern. Die Partei braucht eine neue Debatten- und Streitkultur – auch wenn es um Personalentscheidungen geht. Sonst verstehen die Bürger nicht, wofür die SPD steht und wofür ihre Spitzenkräfte stehen. Das U-50-Team, das jetzt in Partei und Fraktion in die erste Reihe vorrückt, scheint das verstanden zu haben. Konflikte dürfen auch mal offen ausgetragen werden und bei einer parteiinternen Wahl darf es auch mal eine Auswahl geben. Zur inneren Geschlossenheit findet die SPD nur zurück, wenn sie sich vorher ordentlich gestritten hat.

Redaktion: Patrick Fina

Stand: 24.04.2018, 17:47