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EU-Urheberrechtsreform: "Clash der Generationen"

Junge Person mit Schild: "Don't *** my internet" auf Demonstration gegen EU-Urheberrechtsreform

EU-Urheberrechtsreform: "Clash der Generationen"

Die EU-Urheberrechtsreform ist beschlossen. Die politische Debatte rund um Artikel 13 und die Uploadfilter zeigt: Es gibt einen Generationskonflikt, der junge Wähler nachhaltig abschrecken könnte. Ein Kommentar von Dennis Horn.

Die Politiker im Europaparlament haben das Vertrauen junger Menschen massiv enttäuscht - der Menschen, die im Mai das erste Mal ihre Stimme bei einer Europawahl abgeben können. Ihre Kritik an der Richtlinie wurde heruntergespielt, ihr Protest schulterzuckend hingenommen, ihre Einwände ignoriert, vor allem von den härtesten Verfechtern im Europaparlament, Axel Voss und Daniel Caspary von der CDU und Helga Trüpel von den Grünen.

Mittlerweile glaube ich, dass Politiker wie sie die Kritik nicht nur nicht verstehen wollten, sondern dass sie sie gar nicht verstehen konnten. Es sind Politiker, die versuchen, Regeln der analogen Welt auf die digitale zu übertragen. Regeln aus einer analogen Welt, in der es nur wenige Urheber gab, mit einer überschaubaren Zahl an Plattenfirmen, Zeitungsverlagen, Filmemachern. Die digitale Welt, in der wir aber längst leben, braucht eigentlich ganz neue Regeln. Solche, die ihr auch gerecht werden. Zum Beispiel der Tatsache, dass wir alle Urheber sind - vor allem junge Nutzerinnen und Nutzer in ihren sozialen Netzwerken.

Das Internet ist nicht der Lebensraum dieser Politiker. Sie wurden nicht mit dem Netz sozialisiert. Wir hatten es hier also mit einem Kultur- und Generationskampf zu tun - und nicht allein mit einem Sachstreit. Schließlich haben sich die Gräben ja auch nicht an den Parteigrenzen aufgetan - es waren junge und netzaffine Politiker aller Parteien, die gegen die Urheberrechtsrichtlinie protestiert hatten. Und dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren eher noch verstärken: Immer mehr ältere Politiker werden über die Zukunft immer weniger junger Menschen entscheiden. Das Internet ist da nur ein Teil des Puzzles.

Und gleichzeitig erleben wir einen Politikstil, der emotionalisiert, statt zu versachlichen. Vor allem Politiker CDU und CSU im Europaparlament haben in den vergangenen Tagen demonstriert, wie wenig es ihnen in der Debatte auf Fakten ankam. Ihnen fiel als Reaktion auf den Protest gegen die Urheberrechtsrichtlinie nicht mehr ein, als die Einwände junger Menschen zu relativieren. Die Kritik als Fake-Kampagnen abzutun, die Kritiker selbst als Google-hörig zu diffamieren, die Protestierenden auf den Straßen wahlweise als gekauft oder als Mob.

Das ist der Schaden, der aus dem Streit um die Urheberrechtsrichtlinie entstanden ist: Eine Generation, die zu Europa steht wie keine andere, muss erleben, wie ihr Vertrauen in die Politik erschüttert wird, weil sie abgekanzelt wird, statt ihr zuzuhören. Ich hoffe sehr, dass diese Generation deshalb nicht aufgibt. Dass sie auch bei anderen Themen mit ihrem Protest noch sehr viel mehr Ausdauer zeigt. Bis er wirkt.

Redaktion: Patrick Fina

Urheberrechtsreform: "Clash der Generationen"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 27.03.2019 02:38 Min. WDR 5 Von Dennis Horn

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