Der Klimawandel kommt – schneller, als uns lieb ist

Niedrigwasser am Kölner Rheinufer

Der Klimawandel kommt – schneller, als uns lieb ist

Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warnen vor einer verheerenden "Heißzeit" auf der Erde. Die Botschaft ist klar: Wir schieben gerade ein Auto im Nebel auf eine Hangkante zu. Ein Kommentar von Werner Eckert.

Heute kann man sich in Sachen Klima alles vorstellen - gerade eben in dieser Hitze! Deshalb wohl auch ist dieser Artikel auf fruchtbaren Boden gefallen. Und das ist gut so. Es ist keine Studie - sondern eine Analyse, die bekanntes zusammenstellt und die möglichen Konsequenzen beleuchtet. In der Rubrik "Perspektives" eines angesehen Fachblattes erschienen - und das ist pure Politik.

Der Klimawandel kommt – schneller, als uns lieb ist

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 08.08.2018 | 03:28 Min.

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Ein trotziges Ausrufezeichen gegen Trump

Die Amerikanische Akademie der Wissenschaften gibt diese Mitteilungen heraus und sie beauftragt Wissenschaftler mit solchen Artikeln. Das sind keine eingesandten Studien. Sie setzt damit Themen. Das ist ein trotziges Ausrufezeichen gegen Donald Trump: Schau her, was du das riskierst mit Deiner zutiefst unwissenschaftlichen und ignoranten Politik. Das geht aber auch an andere: Klimaschutz ist gerade kein Thema - nicht mal und gerade gar nicht beim ehemaligen Vorreiter Deutschland. Die Bundesregierung steht eher auf der Bremse. Bei den Vorschriften für Autos zum Beispiel - und beim Kohleausstieg.

Wenn die Karre drüber ist, hält sie keiner auf!

Die Botschaft der Wissenschaftler ist klar: Wir schieben gerade ein Auto auf eine Hangkante zu. Bei Nebel - wir sehen nicht genau, wo es runtergeht. Und wir hören trotzdem nicht auf zu schieben. Obwohl wir wissen können: Wenn die Karre drüber ist, dann hält sie keiner mehr auf! Genau das führen die Klimaexperten uns vor Augen. Sie fassen zusammen, was über natürliche Klimaprozesse bekannt ist und schreiben das fort. Das arktische Eis schmilzt und die freiwerdende Wasser- oder Landoberfläche ist dunkler als das Eis zuvor und nimmt mehr Sonnenenergie auf - das beschleunigt die Schmelze. Die Regenwälder des Amazonas trocknen aus und setzen sterbend ungeheure Mengen an CO2 frei. Die tauenden Dauerfrost-Böden des Nordens emittieren Methan. Auch das ein mächtiges Klimagas.

Die Kipp-Kante kann kommen – schneller als uns lieb ist

Wann genau diese Vorgänge unumkehrbar werden, in welcher Reihenfolge eines zum anderen führt - das bleibt ungenau. Es liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen, dass schon wenig mehr menschengemachter Wandel ausreicht, um das auszulösen. Die Kipp-Kante kann kommen – schneller als uns lieb ist. Möglicherweise genügt es nicht, den menschengemachten Klimawandel auf 2 Grad zu begrenzen - so wie das im Paris-Abkommen als Minimalziel vereinbart ist. Das ist keine "Vorhersage" - schon gar keine für das kommende Jahrhundert. Da sind die "normalen" Prognosen schon mahnend genug: Ein Sommer wie dieser nicht als Ausnahmefall, sondern als Normalzustand mit Ausreißern ins noch viel Unangenehmere. Das ist eine Warnung, dass das gesamte Klimasystem - der Wechsel zwischen Eiszeiten und Zwischeneiszeiten, in dem sich die Menschheit entwickelt hat - auf dem Spiel steht. Dass wir in erdgeschichtlich kurzer Zeit in eine dauerhafte "Heißzeit" kommen könnten, in der nichts mehr ist, wie es war. Warnungen sind wichtig. Sie haben leider immer auch etwas Lähmendes. Und lahm dürfen wir jetzt nun gerade gar nicht sein...

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 07.08.2018, 17:54