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Erzieherberuf attraktiver machen

 Franziska Giffey bei Kita-Besuch, 19.06.0218

Erzieherberuf attraktiver machen

Familienministerin Franziska Giffey nimmt viel Geld in die Hand, um die Erzieherausbildung attraktiver zu machen. Jetzt müssten die Länder nachziehen, kommentiert Sabine Müller, am besten auch mit Leidenschaft und Kämpfergeist.

Wenn man Leidenschaft und Kämpfergeist in Gold aufwiegen könnte, dann wäre der Erziehermangel in Deutschland vermutlich bald Geschichte – also zumindest in den Fragen, die sich mit Geld lösen lassen. Denn Leidenschaft und Kämpfergeist bringt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey reichlich mit, wie sie mit einem fulminanten Auftritt bei der Vorstellung des neuen Erzieher-Förderungprogramms wieder bewiesen hat – gut so. Gut, dass sie sich nicht einschüchtern lässt von ihren Kritikern, die finden, das alles komme mal wieder viel zu spät und sei viel zu wenig. Wobei ich überhaupt nicht bestreite, dass bei diesem Thema Kritik grundsätzlich angebracht ist. Denn ja, die Politik hat beim Erzieher-Notstand sträflich versagt. Nicht Franziska Giffey persönlich, dazu ist sie noch zu neu im bundespolitischen Geschäft, aber viele andere vor allem in den Ländern sind sehenden Auges ins Erzieher-Desaster gelaufen.

Erzieher-Notstand: Länder sind gefordert

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 19.12.2018 02:36 Min. WDR 5

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Deshalb werden uns bundesweit bis 2025 vermutlich etwa 190.000 Erzieher fehlen. Wer bei dieser Größenordnung Schnappatmung bekommt, sollte wissen, dass das schon die schöngerechnete neue Zahl des Familienministeriums ist. Im staatlich finanzierten Nationalen Bildungsbericht stand im Sommer noch die Zahl von 300.000 fehlenden Erziehern – da wurde mit besseren Betreuungsschlüsseln gerechnet. Und nun? Klar kann man verzweifelt auf die riesige Erzieherlücke starren und denken: Das schaffen wir nie, nichts, was wir tun, wird ausreichen. Oder man fängt halt einfach mal an, mehr zu machen. Natürlich reichen 300 Millionen Euro nicht, um das Problem zu lösen, da haben die Kritiker völlig recht. Aber Ministerin Giffey ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg, wenn sie mehr angehenden Erziehern die Ausbildung vergüten will und gut qualifizierten, fertigen Erziehern die Möglichkeit gibt, besser zu verdienen. Diesen anspruchsvollen Job finanziell attraktiver zu machen, löst längst nicht alle Probleme, aber es ist ein wichtiger Baustein der Lösung.

Und an dieser Lösung müssen die Länder jetzt engagiert mitarbeiten. Durch das neue Kita-Gesetz bekommen sie in den nächsten Jahren insgesamt 5,5 Milliarden Euro vom Bund. Es wäre wünschenswert, wenn sie ihre Prioritäten beim Ausgeben weise setzen und mehr in Personal investieren als etwa in Beitragsfreiheit auch für Familien, die sich Kitagebühren gut leisten könnten. Die Bundesregierung hat vorgelegt, jetzt müssen die Länder nachziehen – am besten auch mit Leidenschaft und Kämpfergeist.

Redaktion: Lisa Schöffel

Stand: 18.12.2018, 17:18