Katholische Kirche: Das Kirchenvolk probt den Aufstand

Christliches Kreuz im Gegenlicht

Katholische Kirche: Das Kirchenvolk probt den Aufstand

Die katholischen Laien kritisieren die zögerliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Vor allem wollen sie selbst mehr eingebunden werden. Theodor Dierkes meint in seinem Kommentar, das Problem liege im Detail.

Das katholische Kirchenvolk zeigt sich empört und probt den Aufstand. Allen voran die Frauen in der Kirche. Gerade angesichts des Missbrauchsskandals sagt die Basis zu Recht: Es kann doch nicht so weitergehen. Die Benachteiligung und Ungleichbehandlung von Frauen und Männern wie von Laien und Klerikern wird nicht mehr einfach so hingenommen. Erst recht nicht, nachdem die Missbrauchsstudie im September ergeben hat: Klerikalismus und Zölibat sind ein Teil der Ursache für den Skandal. Zentralkomitee-Präsident Thomas Sternberg machte es bei der Vollversammlung deutlich hörbar: Die Alleinzuständigkeit von Bischöfen und Priestern für die Kirche muss ein Ende haben.

Katholische Kirche: Das Kirchenvolk probt den Aufstand

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 24.11.2018 | 02:47 Min.

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Nun könnte das Angebot "Wir wollen das mittragen" die Bischöfe ja auch erfreuen. Aber das Problem liegt im Detail: Der konkrete Vorschlag, Bischofskonferenz und Zentralkomitee sollten gemeinsam eine unabhängige Kommission einrichten mit Frauen und Männern, die überprüft, ob der Kampf gegen den Missbrauch in allen deutschen Bistümern Fortschritte macht. In einer Demokratie wäre das eine normale Forderung, in der katholischen Kirche ist das radikal. Bischöfe lassen sich doch von Laien nicht kontrollieren oder gar beurteilen. Das hat der ehemalige oberste Glaubenswächter im Vatikan, Gerhardt Ludwig Müller, ja auch gerade diese Woche noch mal deutlich betont. In den USA tönte er, Bischöfe könnten innerkirchlich nicht durch Laien gerichtet werden, wenn sie Missbrauch vertuscht hätten. Ein Urteil über sie stehe allein dem Papst zu. Das Gleiche wird vielleicht Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki durch den Kopf gegangen sein. Bei seinem Grußwort vor der Vollversammlung ging er auf die Forderung überhaupt nicht ein. Und dass er noch während der Rede des ZdK-Präsidenten den Saal verließ und sich danach auch noch den Vortrag des Missbrauchsaufklärers Pater Klaus Mertes entgehen ließ, spricht für sich. Der Kardinal von Köln kam eben nur zum Reden, nicht zum Hören.

Dass das Zentralkomitee mit dem Schwung der Wut über den Missbrauch ein weitgehendes Forderungspapier verabschiedete, wird aber für eine blutige Nase sorgen und weiteren Frust. Einer Übernahme von Kontrollfunktionen über die Missbrauchsaufarbeitung in Deutschland hätten die Bischöfe noch zustimmen können. Aber auch noch die Abschaffung des Zölibats und das Frauen-Priestertum zu fordern, macht es für die andere Seite unmöglich.  

Die Stimmung in Bonn war fast verzweifelt. Es ist fünf vor zwölf, sagten die einen, die Kirche steht am Abgrund die anderen. Einer meinte sogar, die Kirche ist schon einen Schritt weiter. Jetzt helfe nur ein Rettungsfallschirm. Ich glaube: Das ist es!

Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 24.11.2018, 06:05