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René Benko wird Alleineigentümer von Karstadt-Kaufhof: "Gut so"

Galeriia Kaufhof Karstadt

René Benko wird Alleineigentümer von Karstadt-Kaufhof: "Gut so"

Der österreichische Immobilieninvestor Benko hat sich alle Anteile an der angeschlagenen Warenhausgruppe Galeria Karstadt-Kaufhof gesichert. Eine gute Nachricht, meint Denise Friese in ihrem Kommentar.

Es ist eine gute Nachricht, dass René Benko nun bei Karstadt und Kaufhof allein das Sagen hat.

Für viele ist der Österreicher René Benko eine schillernde, undurchschaubare Gestalt. Klar, der reiche Immobilieninvestor hat weltweit seine Finger im Spiel. Kauft häufig exponierte Gebäude wie das Chrysler Building in New York oder sogar Anteile an der österreichischen Kronen Zeitung. Man weiß nie so richtig, was er hinter den Kulissen treibt.

Der Geschäftsmann will sicher Geld machen, aber er hat auch bereits bewiesen, dass er es mit den Warenhäusern in Deutschland ernst meint. Nämlich bei Karstadt. Dort ist seit Jahren ein Manager auf dem Chefsessel, der den deutschen Markt kennt und die (sanierungsbedürftigen) Warenhäuser zumindest kurzfristig schon in schwarze Zahlen gelenkt hat. Und Kaufhof hat Benko vor einem halben Jahr gerade noch vor einer Pleite bewahrt. Die kanadischen Investoren haben tiefrote Zahlen hinterlassen. Dass Tausende Stellen abgebaut werden, ist für jeden einzelnen Beschäftigten ein schwerer Schlag. Aber rein wirtschaftlich sind die Stellenstreichungen notwendig, denn es gibt kurzfristig keine Alternative. Nur die Schließung. Wie ernst die Lage bei Kaufhof war und ist, haben schließlich auch Wirtschaftsprüfer von ver.di und den Arbeitnehmervertretern bestätigt.

René Benko wird Alleineigentümer von Karstadt-Kaufhof: "Gut so"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 12.06.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 10.06.2020 WDR 5 Von Denise Friese

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René Benko ist ein Visionär – er glaubt zumindest daran, dass die totgesagten Warenhäuser wieder ganz groß werden können. Dazu gehört Mut und Phantasie. Er hat sich mit der Übernahme der Warenhäuser auch Immobilien in bester Innenstadtlage gesichert, keine Frage – er profitiert auf jeden Fall und ist kein barmherziger Samariter. Aber allen Unkenrufen zum Trotz hat er bei Karstadt bewiesen, dass er es nicht nur auf die Gebäude abgesehen hat und dafür die Warenhäuser vor die Wand fahren lässt.  

Jetzt muss die Vision von Benkos Warenhausimperium auch mit Inhalten gefüllt werden. Kunden müssen kommen und wieder Geld an der Kasse lassen – die Frage ist, ob und wie das Gelingen wird. Und René Benko hat nicht nur versprochen, die Kaufhäuser zu retten, sondern er hält sie für ausbaufähig.

Für die Beschäftigten, die dann bei Karstadt und Kaufhof nach den harten Einschnitten noch übrig sind, wäre es wünschenswert. Gerade bei Karstadt verzichten die Verkäuferinnen und Verkäufer schon seit 15 Jahren auf Geld, weil Manager ihren Job nicht gemacht haben. Sie haben auf weit über eine Milliarde Euro verzichtet, um die Dauer-Sanierung mitzutragen. Schon lange vor Benkos Zeiten. Wenn, die Warenhäuser und vor allem die Beschäftigten mit  realistische Chance, dass es weitergeht,  dann mit Benko.

Redaktion: Lisa Schöffel

Stand: 11.06.2019, 15:07