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Karneval: "Männersache"

Dreigestirn 2019

Karneval: "Männersache"

Der Karneval ist rückständig! Er wird gelenkt von reichen, einflussreichen, alten Männern. Dass die einzige Frau im großen Kölner Dreigestirn von einem verkleideten Mann gespielt wird, spricht doch Bände, meint Lisa Schöffel in ihrem Kommentar.

Der Karneval ist rückständig! Denn er wird gelenkt von reichen, einflussreichen, alten Männern. Er ist elitär. Und er bringt archaische Verhaltensweisen ans Licht, die im Alltag zu recht längst tabu sind.

Ja, ich bin jetzt mal die Spielverderberin. Die Spaßbremse. Und nein, ich möchte niemandem das Feiern verbieten: Karneval könnte so schön sein. Aber er muss sich ändern.

Und das fängt schon beim Feiervolk an:  Einmal im Jahr lassen wir uns gehen. Betrunken kotzen wir in Hauseingänge, pinkeln an Autos, gröhlen nachts um drei Schlager und lassen mal so richtig den Alltag hinter uns. Den Alltag und damit auch das Bewusstsein für unsere Mitmenschen. Neben Alkohol liegt auch überall Sex in die Luft: Sexy Katzen, sexy Teufelchen und – ja sogar sexy Bienen – an jeder Ecke. Frauen angrabschen, dumme Sprüche, einmal im Jahr scheint alles erlaubt. Oder zumindest die Hemmschwelle niedriger. Danach, in der Fastenzeit, sind wir dafür umso zahmer. Wie archaisch, wie zurückgeblieben ist das denn?

Karneval: "Männersache"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 04.03.2019 02:52 Min. Verfügbar bis 29.02.2020 WDR 5 Von Lisa Schöffel

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Noch schlimmer, noch rückständiger, wird’s, wenn wir uns die Strukturen hinter den Umzügen, Sitzungen, Feiern anschauen. Bloß nichts Neues. Bloß nichts verändern. Pferde laufen im Rosenmontagszug zwischen Trommeln, Trompeten und Betrunkenen mit? In Köln eine Selbstverständlichkeit, obwohl es immer wieder Unfälle gibt. Die Regeln machen die Karnevalsgesellschaften. Einflussreiche oft vermögende Männer werden Prinz, bekannte Familien geben den Ton an. 

Apropos Männer: Männer lenken den Karneval. Im mächtigen "Festkomitee Kölner Karneval" hatte noch niemals eine Frau das Sagen. In den inneren Führungskreis hat es noch keine einzige Frau geschafft. Es gibt noch immer Karnevalsgesellschaften, in die Frauen nicht mal reindürfen. Die haben ohnehin ihre eigenen Damengesellschaften. Damengesellschaften, allein der Name ist so 1850. Willkommen in der Gegenwart! Dass hier und da Frauen jetzt auch in die Elferräte dürfen, wird als Fortschritt gefeiert. Im Jahr 2019. Das wäre so, als würden wir uns drüber freuen, dass überhaupt Frauen im Bundestag sind. Dabei sind wir doch längst bei Unisex-Toiletten und weiblichen Schiris angekommen.

Und dass die einzige Frau im großen Kölner Dreigestirn jedes Jahr wieder von einem verkleideten Mann gespielt wird, setzt dem Wahnsinn dann noch die sprichwörtliche Krone auf.

Was ich dabei nicht verstehe, ist, warum das alles niemanden stört. Warum alle ihr Glas heben und sagen: Schwamm drüber, jetzt wird gefeiert. Mir dagegen schlägt das alles aufs Gemüt. Dabei könnte Karneval so schön sein. Wenn er sich ändert!

Redaktion: Patrick Fina

Stand: 01.03.2019, 17:05