Impfpflicht: Eine Frage der Solidarität

Kinder mit Erzieherin bei Waldausflug

Impfpflicht: Eine Frage der Solidarität

Künftig soll es eine Masern-Impfpflicht in Schulen und Kitas geben. Wenn Einzelne, die Impfungen kritisch sehen, nun schimpfen – dann sollten sie vielleicht die ganze Gesellschaft im Blick haben, kommentiert Vera Wolfskämpf.

Vielleicht geht es uns zu gut. Seit Jahrzehnten ist in Deutschland kein einziges Kind an Polio erkrankt. Andere ansteckende Krankheiten – wie Keuchhusten oder eben Masern – kommen zwar vor, aber dank unserer guten medizinischen Versorgung nur selten mit schweren Folgen. Dass ein Kind an einer Infektion stirbt, ist zum Glück die Ausnahme. Und weil diese Krankheiten und das Leiden nicht mehr so präsent sind, wägen wir uns in Sicherheit. So vergisst der eine oder die andere, welcher Vorsorge wir das zu verdanken haben: der Impfung.

Impfpflicht: Eine Frage der Solidarität

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 19.10.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 WDR 5 Von Vera Wolfskämpf

Download

Durch sie wurden die Masern zurückgedrängt, sie könnten sogar längst ausgerottet sein – doch es sind nicht genügend Menschen geimpft. Und die Impfgegner werden lauter: Es sind nicht viele, aber ihre Horrorgeschichten stehen weit oben, wenn Eltern im Internet nach Informationen suchen. Dabei gibt es genügend unabhängige Institute, die den Sinn von Impfungen wissenschaftlich erklären – und keine einzige Studie, die schlimme Erkrankungen durch Impfungen belegt. Wenn alle Aufklärungskampagnen nicht fruchten, ist es richtig, dass der Bundesgesundheitsminister es nun mit einer Impfpflicht versucht.

Dabei ist es völlig in Ordnung, wenn Eltern sich vom Arzt beraten lassen, wann eine Impfung nötig ist. Es ist ja menschlich, wenn manche sich sorgen, ob ihr Säugling einen Mehrfachimpfstoff verträgt. Aber dass der Nutzen größer ist, als es die Risiken sind, sollte ein Blick in andere Länder zeigen: Weltweit sind 2017 schätzungsweise mehr als 100.000 Menschen an Masern gestorben. Die Fallzahlen dieser vermeidbaren Erkrankung sind zuletzt wieder gestiegen, auch in Europa.

Es geht also um eine soziale Verantwortung. Zumal auch hierzulande die Nachlässigkeit Leben kosten kann. Nur weil das eigene Kind mit einer guten Gesundheit gesegnet ist, macht das Impfen nicht überflüssig: Zum Beispiel gibt es Menschen, die wegen einer Immunerkrankung oder Allergien nicht geimpft werden dürfen. Sie können nur auf den passiven Schutz vertrauen – das heißt, die anderen müssen immun sein, damit eine Infektion nicht übertragen wird. Und dieser Herdenschutz funktioniert erst, wenn mindestens 95 Prozent geimpft sind. Gerade in Schulen und Kindergärten ist das wichtig.

Impfen ist also auch eine Frage der Solidarität. Und dann kann es uns weiterhin so gut gehen, dass wir kaum an schwere Infektionen denken müssen.

Redaktion: Lars Krupp

Stand: 18.10.2019, 17:35