IG-Metall-Streik ist unnötig!

Mann mit Trillerpfeife

IG-Metall-Streik ist unnötig!

Von Wolfgang Landmesser

Die IG Metall hat zu 24-stündigen Warnstreiks aufgerufen. Dabei sei man doch schon auf dem Weg zu einer Einigung gewesen, glaubt Wolfgang Landmesser. Er meint: Dieser Streik ist überflüssig.

Selten waren Streiks in der Sache so unnötig. Klar schlägt die Rhetorik wieder hohe Wellen: Die Arbeitgeber hätten die Beschäftigten abspeisen wollen mit einem kümmerlichen Lohnplus, sagt die IG Metall. Die Forderungen seien unverantwortlich und ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit, kontert der Arbeitgeberverband. Doch das verbale Getöse überdeckt die Tatsache, dass sich beide Seiten schon sehr weit aufeinander zu bewegt haben – nämlich bei der wesentlichen Frage des Tarifkonflikts: "flexiblere Arbeitszeiten".

Dieser Streik ist unnötig!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 01.02.2018 | 02:00 Min.

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Mehr Flexibilität für Beschäftigte und Betriebe

Das Recht auf befristete Teilzeit hatte die IG Metall in den Verhandlungen bereits erreicht. Das so genannte E-Zug-Modell könnte sogar Tarifgeschichte schreiben – E-Zug für erweitertes zusätzliches Urlaubsgeld. Es ließe Beschäftigten, die sich mehr um ihre Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern wollen, die Wahl: mehr Urlaubsgeld oder mehr Freizeit.

Auch für Flexibilität in die andere Richtung wäre gesorgt. Damit in den Betrieben nicht die Arbeit ausgeht, gäbe es mehr Stellschrauben an der 35-Stunden-Woche. Wenn einzelne Betriebe besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen sind, könnte der Chef mehr Mitarbeiter länger arbeiten lassen als bisher. Doch leider scheiterte dieser vernünftige Kompromiss am Geld. Die Arbeitgeber sollten überlegen, ob ihre Schmerzgrenze wirklich erreicht ist.

Recht auf Teilzeit gibt's nicht zum Nulltarif

Aber auch die Gewerkschaft sollte noch mal in sich gehen. Denn natürlich gibt es das Recht auf Teilzeit nicht zum Nulltarif. Die Kosten für die den Mitarbeitern gewährte Zeit müssen die Unternehmen kalkulieren. Dadurch verringert sich logischerweise die Lohnerhöhung, die am Ende in der Tariftabelle steht.

Es war also absehbar, dass die Gewerkschaft von ihrer Lohnforderung in den Verhandlungen höhere Abstriche machen muss als in normalen Tarifrunden. Wie hoch die sinnvollerweise sein müssen, sollten IG Metall und Arbeitgeber jetzt möglichst schnell klären. 24-Stunden-Streiks sind vielleicht gut, um die Basis zu mobilisieren – für ein besseres Ergebnis sorgen sie kaum. Das lag im Prinzip nämlich schon auf dem Tisch.

Redaktion: Ulrike Römer

Stand: 01.02.2018, 06:05