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Hambacher Forst: "Herr Ministerpräsident, schreiten Sie ein!"

Ein Braunkohlebagger arbeitet im Tagebau Hambach bei Buer an der Abbruchkante des Tagebaus.

Hambacher Forst: "Herr Ministerpräsident, schreiten Sie ein!"

Der gerichtlich verhängte Rodungsstopp im Hambacher Forst hat Bestand. Geschadet werde dem Wald aber weiterhin, meint Jürgen Döschner in seinem Kommentar. Der Braunkohle-Tagebau untergrabe jeden Tag geltendes Recht.

Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster war eindeutig: Bis zur endgültigen Klärung der Frage, ob und in welchem Umfang der Hambacher Forst schützenswert sei, dürfe der Wald weder durch Rodungen, noch durch andere Maßnahmen in seinem Bestand gefährdet werden.

Zehn Monate ist es nun her, dass dieses Urteil verkündet wurde. Und in der Tat: In den letzten zehn Monaten waren die Kettensägen im Hambacher Forst weitgehend verstummt. Doch der Lärm der Braunkohlebagger aus dem angrenzenden Tagebau wurde dafür immer lauter. Bis auf 50 Meter haben sie sich an manchen Stellen an den Wald herangearbeitet.

Hambacher Forst: "Herr Ministerpräsident, schreiten Sie ein!"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 15.08.2019 02:31 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR 5 Von Jürgen Dönscher

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Umweltverbände und Waldschützer haben das offensive Abbaggern Richtung Hambacher Forst immer wieder heftig kritisiert. RWE grabe dem Wald das Wasser ab, so ihre Befürchtung. Das ungebremste Vorrücken der Bagger sei ein Verstoß gegen die Auflagen der Münsteraner Richter.

Doch RWE, Landesregierung und Bergaufsichtsbehörde wiesen in trauter Eintracht die Vorwürfe zurück. 50 Meter Abstand zwischen Tagebau und Wald seien ausreichend, um die Bäume zu schützen. Ein Gutachten des Geologischen Dienstes soll belegen, dass der Hambacher Forst gar nicht auf das Grundwasser angewiesen sei, und deshalb die Abgrabungen unschädlich sind. Diese Frage ist bislang nicht geklärt.

Allerdings: Wer den Wald in letzter Zeit besucht hat, der konnte sehen, wie er langsam stirbt. Tag für Tag vertrocknen Bäume oder werden durch heftige Winde entwurzelt. Das jüngste Gutachten aus Potsdam und Eberswalde nennt auch den Grund: extreme Temperaturunterschiede und dadurch hervorgerufene heftige Winde. Der Tagebau spielt dabei eine große Rolle – und auch die Tatsache, dass der kühlende und schützende Rand des Hambacher Forst durch den fortschreitenden Tagebau immer mehr zerstört wurde. Statt bis auf 50 Meter an den Wald heran zu baggern bräuchte es eine 500 Meter breite „thermische Pufferzone“ rund um den Hambacher Forst, sagen die Wissenschaftler. Anders wäre der Wald nicht dauerhaft zu retten.

Was wir erleben, ist also nicht nur eine große Umweltzerstörung. Die Bagger von RWE untergraben auch Tag für Tag geltendes Recht, untergraben das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zum Schutz des Hambacher Forstes – und zwar mit Billigung von Landesregierung und Bergaufsicht. Wie sagten Sie doch jüngst, Herr Laschet: "Der Wald ist der wichtigste Klimaschützer. Jeder Hektar, der verschwindet, verschärft das Problem." Also, Herr Ministerpräsident, schreiten Sie ein!

Stand: 14.08.2019, 15:59