Braunkohle: Nach dem kleinen Forst kommen die ganz großen Fragen

Der Hambacher Wald am Tagebau

Braunkohle: Nach dem kleinen Forst kommen die ganz großen Fragen

Die Rodungen im Hambacher Forst sind vorerst gestoppt, die Diskussionen um den Kohleausstieg gehen aber weiter. Angesichts dessen werde der 200-Hektar-Wald am Rande der Hambacher Grube sehr bald sehr klein erscheinen, so Wolfgang Otto in seinem Kommentar.

Wer in den vergangenen Wochen etwas sagte, dass für die Rodung auch des Restes vom Hambacher Forst sprach, schoss sich damit moralisch schnell aus der Debatte. Menschen, die Hambi opfern würden, würden Bambi auch zum Abschuss freigeben, nur brutale Menschen ohne jedes Mit- und Verantwortungsgefühl für die lebendige Kreatur.

Zum Glück ist der Kampf um den Hambacher Forst entschieden. Hambi bleibt, vorerst, und das ist gut so. Auch deshalb, weil damit schon mal eine moralische Keule aus dem Streit genommen wurde. Alle Gemüter können sich jetzt erstmal beruhigen.

Bei Ruhepuls kommen extrem schwer zu beantwortende Fragen in den Blick: juristische, technische, soziale, wirtschaftliche, finanzielle. Und alles hängt mit allem zusammen, wie in einem undurchdringlichen Stromnetz.

Braunkohle: Nach dem kleinen Forst kommen die ganz großen Fragen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 11.10.2018 | 02:20 Min.

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Wie können wir schneller aus der Braunkohle aussteigen, ohne dass die Lichter ausgehen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Und ohne dass wir schmutzigen Strom aus Atom- und Kohlemeilern aus dem Ausland importieren müssen? Was geschieht mit den Menschen im rheinischen Revier, die bisher von der Braunkohle gelebt haben? Und wer bezahlt das Ganze am Ende?

Diese Fragen sind so komplex und so umstritten, dass die GroKo sie erstmal an eine Kommission ausgelagert hat. Die Super-Experten-Runde soll jetzt einen Konsens herstellen, den die Politiker über Jahre nicht gefunden haben. Auch die Landesregierung fand gestern im Landtag nicht den Mut, zu sagen, was unausweichlich ist: Es wird in NRW eine neue Leitentscheidung in der Energiepolitik geben müssen, die Braunkohlebagger werden früher stoppen, als es bisher geplant ist.

Wahrscheinlich wird der Streit erst so richtig losgehen, wenn die Kommission ihre Vorschläge gegen Ende des Jahres präsentiert. Dann kann sich keiner mehr drücken, dann geht’s ans Eingemachte. Auch weil dann klarer wird, wer gewinnt und wer verliert beim großen Ausstieg aus der CO-2-Wirtschaft. Ich fürchte, angesichts der Größe dieser Aufgabe wird der 200-Hektar-Wald am Rande der Hambacher Grube sehr bald sehr klein erscheinen.

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 10.10.2018, 18:18