Hambacher Forst: Ein symbolträchtiger Ort

Protest im Hambacher Forst

Hambacher Forst: Ein symbolträchtiger Ort

Die Räumung des Hambacher Forsts ist fast abgeschlossen, RWE wird voraussichtlich bald mit der Rodung beginnen. Der Konflikt dürfte sich weiter verschärfen, meint Jürgen Döschner in seinem Kommentar, und das Waldstück könne zum Wackersdorf der Klimaschützer werden.

Es ist bemerkenswert, was sich im Hambacher Forst tut. Zwar sind inzwischen fast alle Baumhäuser geräumt. Doch der Protest gegen die Abholzung des Waldes wurde mit jedem geräumten Baumhaus größer. Was einst als sonntäglicher "Waldspaziergang" begann, hat sich in kurzer Zeit zu regelrechten Großdemonstrationen entwickelt. Zuletzt zogen Tausende zu dem kleinen Wald – Jugendliche, Familien mit Kindern, Rentner. Viele von ihnen waren noch nie zuvor auf einer Demonstration. Nun rennen sie über Äcker, stellen sich Polizisten in den Weg, versuchen trotz Verbots in den Wald zu kommen. Am 6. Oktober werden mehrere Zehntausend Menschen erwartet.

Die Klimaschutz-Bewegung in Deutschland hat seit neuestem ein Ziel, ein Symbol, einen Ort, an dem sie sich trifft und demonstriert. Man muss nicht - wie einst Merkel und Gabriel – im fernen Grönland schmelzende Eisberge beweinen, um seinen Einsatz für den Klimaschutz unter Beweis zu stellen.

Dazu beigetragen haben ganz erheblich der Kohlekonzern RWE und die NRW Landesregierung mit ihrer kompromisslosen Linie, gestützt auf Paragraphen und tausende, hart durchgreifende Polizisten.

Die Anti-Atom-Bewegung hatte viele symbolträchtige Orte – Kalkar, Brokdorf Gorleben, Wackersdorf. Sie alle stehen für entschlossenen Protest gegen die Atomkraft. Der Hambacher Forst könnte zu einem Wackersdorf der Klimaschutzbewegung werden. Aber all diese Orte stehen auch für harte, teils gewalttätige Auseinandersetzungen. Allein in Wackersdorf gab es damals drei Tote und Hunderte Verletzte.

 

Hambacher Forst: Ein symbolträchtiger Ort

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 29.09.2018 | 02:54 Min.

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Auch im Hambacher Forst ist bereits ein Mensch ums Leben gekommen. Aber glücklicherweise blieben die Proteste bislang weitgehend friedlich. Von den Horden gewaltbereiter, radikaler "Ökoterroristen", die angeblich schnurstracks von den Hamburger G20-Barrikaden in den Hambacher Forst gezogen sind, hat man bislang wenig gehört und gesehen. Das musste selbst NRW-Innenminister Reul einräumen.

Ob es weiterhin so friedlich zugeht, ist aber keineswegs gewiss. Auch wenn die Räumung der Baumhäuser nun weitgehend abgeschlossen ist – die eigentliche Auseinandersetzung um den Wald dürfte wohl erst beginnen, wenn RWE tatsächlich ab Mitte Oktober rodet. Auch in dieser Hinsicht könnte der Hambacher Forst zu einem neuen Wackersdorf werden.

Aber das muss nicht sein. Denn die gute Nachricht lautet: Während es bis zum Atomausstieg Dutzende Demonstrationen, Tausende Verletzte und mehrere Jahrzehnte dauerte, ist der Kohleausstieg grundsätzlich längst beschlossen – spätestens seit der Unterschrift unter das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Allerdings müsste diese Entscheidung auch endlich von Politik und Wirtschaft umgesetzt werden. Dann wäre auch der Konflikt um den Hambacher Forst schnell gelöst.

Redaktion: Stefan Pößl

Stand: 28.09.2018, 17:22