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Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter: "Keine Ausnahme mehr"

Rote Karte

Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter: "Keine Ausnahme mehr"

Es hat schon wieder einen Gewaltausbruch gegen einen Schiedsrichter im Amateurfußball gegeben. Weil er rote Karten vergab. Da scheine ein ganzes System zu versagen, meint Doro Blome-Müller in ihrem Kommentar.

Hobbyliga – das heißt, die Vereine, die in diesen Klassen um Pokale oder Aufstieg spielen, sind nicht im DFB organsiert, folglich gibt es bei Fehlverhalten oder – wie in diesem Fall möglichen Straftaten - wenige Sanktionsmöglichkeiten wie Geldstrafen. Ja, gegen den Spieler, der am Samstag den Schiri niederschlug und in den Bauch trat, läuft eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Und ähnliche persönliche Konsequenzen müssen auch die Spieler und Zuschauer fürchten, die eine Woche zuvor Schiedsrichter und Linienrichter schlugen und mit Tritten traktierten.

Schiedsrichter, die ihre Tätigkeit ins Krankenhaus bringt, sind aber offenbar keine absolute Ausnahme mehr. Was umso unverständlicher ist, als es bei diesen Hobby-Spielen um nichts anderes gehen sollte als Spaß am Sport und sportlichen Ehrgeiz – vor allem wenn sich noch jemand finden soll, der sie pfeift.

Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter: "Keine Ausnahme mehr"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 25.06.2019 01:49 Min. Verfügbar bis 23.06.2020 WDR 5 Von Doro Blome-Müller

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Da scheint ein ganzes System zu versagen: Die Trainer, die offenbar wenig oder nichts dafür tun, ihre Mannschaft nicht nur physisch zu trainieren, sondern auch im Umgang mit möglichen Enttäuschungen und Niederlagen. Das scheint – auch bei bereits erwachsenen Männern – dringend nötig zu sein, denn auch von den Mitspielern werden extrem aggressive Spieler offenbar nicht "eingenordet". Ich kann schwerlich glauben, dass eine solche Aggressivität im Training unbemerkt bleibt. Wie jemand mit Stress grundsätzlich umgeht, das zeigt sich nicht erst nach einer roten Karte auf dem Spielfeld.

Der Duisburger Oberbürgermeister, auf dessen Stadtgebiet sich die beiden jüngsten, aber bei Weitem nicht die einzigen Fälle, ereignet haben, hat erklärt, er lasse prüfen, ob man solchen Vereinen als Sanktion das verpachtete Vereinsgelände entziehen kann.

Ob das rechtlich haltbar ist, soll hier einmal beiseitegelassen werden. Und der ein oder andere fände es vielleicht unfair, wenn eine ganze Mannschaft wegen des Fehlverhaltens eines einzigen Spielers bestraft würde. Aber vielleicht würde das ja dazu führen, dass die Mannschaften in ihren eigenen Reihen genauer hinsehen und fair-play wirklich gelebt wird: bei jedem Spiel und bei jedem Training.

Redaktion: Lars Krupp

Stand: 24.06.2019, 17:41