Ende einer Ära: McCains Tod und Trumps Reaktion

Blumen und Foto erinnern an der US-Botschaft in Kiew an den am 27.08.2018 verstorbenen US-Senator John McCain

Ende einer Ära: McCains Tod und Trumps Reaktion

Präsident Donald Trump hat lediglich in einem kurzen Tweet auf den Tod von US-Senator John McCain reagiert. Eine offizielle Würdigung blieb aus - McCain galt als harter Kritiker Trumps. Ein Kommentar von Martin Ganslmeier.

Der Tod des republikanischen Senators John McCain markiert das Ende einer Ära in der US-Politik. McCain setzte sich für jene Ideale ein, für die die Republikanische Partei jahrzehntelang stand: für internationales Engagement der Supermacht USA, für Demokratie und Menschenrechte, ein starkes Militär und für freien Handel. John McCain verabscheute Autokraten, Nationalisten und Rassisten. Kein Wunder, dass McCain in den vergangenen beiden Jahren der wichtigste innerparteiliche Kritiker von US-Präsident Donald Trump wurde. Denn Trump hat die Republikanische Partei rechtspopulistisch umgekrempelt: Er sieht Außenpolitik vor allem unter Kosten-Nutzen-Aspekten. Handelsbilanzen sind ihm wichtiger als demokratische Ideale und Menschenrechte. Und unter Autokraten fühlt sich Trump wohler als unter selbstbewussten Verbündeten.

Ende einer Ära: McCains Tod und Trumps Reaktion

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 28.08.2018 | 03:00 Min.

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Insofern ist es zumindest konsequent, wenn Donald Trump nur ein dürres Beileids-Statement über Twitter verbreitet und offensichtlich eine bereits vom Weißen Haus vorbereitete ausführliche Würdigung McCains abgelehnt hat. Trump und McCain haben sich nie gemocht. Unvergessen Trumps Zitat: McCain, der fünf Jahre lang in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft gefoltert wurde, sei für ihn kein Kriegsheld. Er bevorzuge Leute, die sich gar nicht erst fangen lassen.

McCain im scharfen Gegensatz zu Trump

Dennoch ist Trumps Verhalten nach McCains Tod kleingeistig, nachtragend und eines Präsidenten unwürdig. Auch McCain hat viele Fehler gemacht. Beim Irak-Krieg lag er falsch, ebenso im Präsidentschaftswahlkampf 2008 mit seiner Entscheidung für die Tea-Party-Ikone Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin.

Aber im Unterschied zu Trump war McCain stets der erste, der seine eigenen Fehler und Schwächen offen eingestand. Gleichzeitig stellte sich McCain oft mutig gegen populistische Stimmungen. Besonders beeindruckend auf einer Wahlkampfveranstaltung 2008. Eine republikanische Anhängerin sagt McCain, sie könne Obama nicht trauen. Sie habe gelesen, er sei ein Araber. "Nein!", fiel ihr McCain sofort ins Wort: "Er ist ein guter Familienvater und Bürger, der allerdings politisch fundamental andere Ansichten als ich vertritt."

Welch ein Unterschied zum Verhalten Trumps auf Wahlkampfveranstaltungen! Trump greift dumpfe Vorurteile und Stimmungen aus der Menge begierig auf, um sie noch zu befeuern.

Das ist bedauernswert. Allerdings muss man auch einräumen: Trumps Kurs wird in Umfragen von fast 90 Prozent der republikanischen Wähler unterstützt. Über den jetzt verstorbenen Senator McCain äußerte sich vor seinem Tod nur knapp die Hälfte der republikanischen Basis positiv. Auch deshalb ist der Tod von Senator John McCain eine solch wichtige Zäsur in der US-Politik: Trump hat die Republikanische Partei fester denn je unter seiner Kontrolle.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 27.08.2018, 17:41